Fernsehen

Der Preis für das Werbe-Gesicht von Monica Lierhaus

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Ulrich Exner

Man kann schon mal durch den Türspalt linsen an diesem milchigen Märzmorgen hoch über dem Hamburger Hafen. Man ist gespannt, wie das nun alles laufen soll mit Monica Lierhaus und der ARD-Fernsehlotterie. Ob das gut gehen kann mit dieser neuen Botschafterin für den "Platz an der Sonne"?

Das Motto ihrer ersten Werbekampagne lautet: "Ich weiß, wie wichtig Hilfe ist." So wird es in den kommenden Wochen, Monaten plakatiert. Dazu ein Foto der "Sportschau"-Moderatorin, in Jeans-Jacke, mit großen Creolen in den Ohren, alles fast wie früher. Vor ihrer Aneurysma-Operation. Vor dem erzwungenen Seitenwechsel von der Fernsehwelt ins Grau des Reha-Alltags.

Monica Lierhaus sei "die beste Botschafterin, die wir uns vorstellen können", sagt wenig später der Geschäftsführer der Fernsehlotterie, Christian Knipper. Das stimmt im doppelten Sinne. Ihr Name steht sowohl für die Glückskinder dieser Gesellschaft als auch für jene, denen das Glück nicht oder nicht mehr gewogen ist.

Monica Lierhaus selbst ist an diesem Tag nicht anwesend, sondern wieder in therapeutischer Behandlung. Es steht nicht fest, wann genau sie 50 Mal im Jahr "die Wochengewinner" präsentieren wird, Sonntagabend in der ARD. Das soll "bald" so sein, sagt Christian Knipper.

Die 40-Jährige hat schon einen Spot gedreht. Sie sagt darin mit dieser etwas roboterhaften Stimme, die man schon von ihrem Auftritt bei der "Goldenen Kamera" kennt: "Ich möchte weitergeben, was ich bekommen habe: neuen Lebensmut." Lierhaus lächelt mit zusammengebissenen Zähnen. Man kennt auch das von der Preisverleihung, aber man weiß immer noch nicht, ob man sich freuen soll. Oder ob einem die Tränen kommen sollen.

Unvermeidlich kommen die Fragen nach der Gage, die Lierhaus bekommt. Es sollen 450 000 Euro sein, aber Christian Knipper bestätigt das auch jetzt nicht und verweist auf das Gebot der Verschwiegenheit. Er ist etwas angefasst ob dieser Debatte, wegen der einige Lotterie-Abos gekündigt wurden. Man habe Verständnis für die Kritik, aber das seien marktübliche Preise für ein Werbe-Gesicht.

Es haben sich ja nicht nur die Ansprüche der Promis geändert. Zwischen dem schönem Schein der Traditionslotterie und der kühlen Realität des Wettbewerbs, dem sich auch die Lotterie stellen muss, ist es eng geworden. Man ringt hart um Aufmerksamkeit. Im Fernsehen gucken nicht mehr alle ARD wie früher. Deshalb läuft etwa der FC St. Pauli mit Trikotwerbung der Fernsehlotterie auf. Und deshalb wirbt man künftig mit Monica Lierhaus. Das ist berechnend, ohne Zweifel, von beiden Seiten. Ob es sich aber wirklich rechnet am Ende, für beide Seiten, steht noch nicht fest. Hoffen sollte man es.