Urteil

Transrapid-Unfall: Bewährungsstrafen für Mitarbeiter

Viereinhalb Jahre nach dem Transrapid-Unglück sind die hauptverantwortlichen Fahrdienstleiter zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Das Osnabrücker Landgericht sprach die 61 und 52 Jahre alten Männer am Donnerstag wegen fahrlässiger Tötung in 23 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung in elf Fällen schuldig - es verhängte Freiheitsstrafen von anderthalb Jahren sowie einem Jahr auf Bewährung.

Die beiden Familienväter müssen außerdem jeweils 4000 Euro an die Behinderteneinrichtung Bethel und an das Westfälische Kinderdorf in Paderborn zahlen. Die Angeklagten akzeptierten das Urteil. Es ist damit rechtskräftig. Juristisch ist die Katastrophe damit aufgearbeitet.

Die Männer hatten am Vormittag des 22. September 2006 die Fahrt des Transrapid freigegeben, ohne zuvor den Werkstattwagen von der Strecke zu nehmen. Die Magnetschwebebahn krachte mit Tempo 170 auf das 50 Tonnen schwere Wartungsfahrzeug. Alle Passagiere aus dem ersten Teil des Zuges starben.

"Bei den Angeklagten handelt es sich nicht um Kriminelle, sondern um erfahrene und verantwortungsvolle Mitarbeiter", betonte der Vorsitzende Richter Dieter Temming. Es habe sich um ein "Augenblicksversagen" gehandelt. Zu der Katastrophe hätten auch technische und organisatorische Besonderheiten beigetragen. So sei in den Betriebsregeln der Anlage nicht verbindlich vorgeschrieben worden, eine elektronische Sperre zu setzen. Eine solche Sperre hätte den Männern im Leitstand signalisiert, dass bei der Fahrtfreigabe des Transrapid noch ein Werkstattwagen auf der Strecke stand. Der Magnetzug hätte auch nicht losfahren können. Auch dass unterschiedliche Funksysteme benutzt wurden und damit die Mitarbeiter auf dem Werkstattwagen nicht den Funkverkehr mit dem Transrapid mithören konnten, habe zu dem Unglück beigetragen.

( dpa )