Waldemar Bonsels

Wissenschaftler: "Biene Maja"-Erfinder war Antisemit

Für Millionen Menschen sind sie ein Teil Kindheitsgeschichte: die Abenteuer der Biene Maja und ihres besten Freundes Willi. Und auch die literarische Vorlage - das gleichnamige Buch von Waldemar Bonsels - ist seit fast einem Jahrhundert ein Bestseller.

Literaturwissenschaftler haben diesen wenig bekannten Autor und sein umfangreiches Werk nun genauer unter die Lupe genommen. Und eines der Ergebnisse ist wenig erfreulich: Bonsels, darauf deuten zahlreiche Dokumente hin, war Antisemit.

"Unsere Leitfrage ist, ob wir diesen Autor wiederentdecken sollten oder ob er und sein Werk zu Recht in Vergessenheit geraten sind", sagt der Literaturwissenschaftler Sven Hanuschek von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Er forscht seit rund drei Jahren zu dem 1952 gestorbenen Bonsels und dessen Werk. Nazi-Vorwürfe gegen Bonsels habe es immer gegeben, systematisch habe sich aber bislang niemand damit befasst, sagt er. Seine vorläufigen Ergebnisse hat Hanuschek in einem Aufsatz zusammengefasst, der im April erscheinen soll. Die Waldemar-Bonsels-Stiftung, die unter anderem die "Biene Maja"-Einnahmen verwaltet und von Bonsels Witwe ins Leben gerufen wurde, finanziert heute das Forschungsprojekt, an dessen Ende eine Ausstellung im kommenden Jahr stehen soll - pünktlich zum 60. Todestag Bonsels und zu 100 Jahren "Biene Maja". "Wir als Stiftung möchten, dass die Vorwürfe gegen Bonsels gründlich untersucht werden", sagt der heutige Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Ralf Kirberg. Stiftungsgründerin Rosemarie Bonsels habe diese Arbeit jahrelang blockiert, sagt Forscher Hanuschek.

( dpa )