Tragödie

Zwei Tote nach Schüssen am Frankfurter Flughafen

Auf den Bänken in der Mitte der Wartehalle am Frankfurter Flughafen sitzen Reisende und lesen Zeitung oder machen ein Nickerchen. Keine Spur von erhöhten Sicherheitsvorkehrungen, von Polizisten in Schutzwesten und mit Maschinenpistolen. Offenbar ein ganz normaler Nachmittag im Check-in-Bereich E des Terminals 2 am Frankfurter Flughafen.

Lediglich ein Fraport-Mitarbeiter, der einen Ausgang zu den Taxi- und Bushaltestellen vor dem Gebäude versperrt, deutet auf die Gewalttat hin, die sich zwei Stunden zuvor nur wenige Meter entfernt ereignet hatte.

Um kurz nach 15 Uhr hatte nach ersten Ermittlungen ein 21-jähriger Frankfurter mit Wurzeln im Kosovo auf einen US-amerikanischen Militärbus geschossen. Der junge Mann soll auf dem Flughafen gearbeitet haben. Ein Soldat und der Busfahrer auf seinem Sitz werden tödlich getroffen, zwei weitere Soldaten werden mit Schüssen in Kopf und Brust schwer verletzt. Der Täter flüchtet ins Terminal, wo er kurz darauf von Beamten der Bundespolizei überwältigt und festgenommen wird.

Kurz nach 17 Uhr. Ein junges Pärchen, das eben mit dem Taxi angekommen ist, schaut interessiert hinüber in den mit Flatterband abgesperrten Bereich. Polizisten stellen Absperrgitter mit blauem Sichtschutz auf. Dahinter ist noch das Dach des Militärbusses zu erkennen.

Etwa hundert Meter weiter, auf der anderen Seite des Areals, treten Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) und Frankfurts Polizeipräsident Achim Thiel am Absperrband vor die Presse. Rhein sagt: "Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nicht, ob das einen terroristischen, einen dschihadistischen, einen islamistischen oder einen ganz anderen Hintergrund hat." Der Minister betont: "Ich spreche bewusst nicht von einem Anschlag, sondern von einem Tötungsdelikt."

Derweil fährt ein dunkelblauer Van mit verdunkelten Scheiben vor, Männer in schwarzen Mänteln und Tarnanzügen steigen aus und zwängen sich hinter die Absperrgitter. Durch die Lücke ist der beschossene Bus zu sehen, die Windschutzscheibe ist zersplittert und mit weißem Band abgeklebt.

Wie am Abend die rheinland-pfälzische Staatskanzlei in Mainz mitteilt, war der Bus auf dem Weg zum US-Militärflughafen Ramstein. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) reagierte mit Betroffenheit auf die Tat. "Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um die in Rheinland-Pfalz lebenden amerikanischen Staatsbürger zu schützen", sagte Beck. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte eine rasche Aufklärung der Hintergründe. "Ich bin bestürzt über den tödlichen Angriff auf US-Soldaten am Flughafen Frankfurt."

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drückte in Berlin ihre Bestürzung aus: Es werde alles unternommen, um den Vorfall aufzuklären. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zeigte sich "schockiert und erschüttert". Sein Beileid und Mitgefühl gelte den Angehörigen der Opfer und den Verletzten, die um ihr Leben kämpften.

Ein Onkel des mutmaßlichen Täters sagte am Mittwochabend in einem Interview in einem Dorf in der Nähe der kosovarischen Stadt Mitrovica, der 21-Jährige sei ein gläubiger Muslim, der in Deutschland aufwuchs. Seine Eltern seien vor rund 40 Jahren dorthin ausgewandert. Dass der Täter kurz vor der Tat auf Arabisch "Gott ist groß" gerufen haben soll, konnte ein Frankfurter Polizeisprecher allerdings nicht bestätigen.