China

Ein kastrierter Hund ist ein guter Hund

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Zum Frühlingsfest mussten alle Krankenhäuser Überstunden einlegen. 14 Tage lang hintereinander vertrieb Chinas Milliardenbevölkerung in traditioneller Weise mit Feuerwerk auch den letzten bösen Geist des alten Jahres.

Nun ziehen Ärzte und Schwestern die Februar-Bilanz über Verletzte und mindestens 40 Unfalltote der exzessiven Böllerei. Ungezählte Bürger suchten zudem mit Bisswunden ihrer Haustiere um ärztliche Hilfe nach. Ihre Hunde spielten bei dem Krach verrückt. Im mit Menschen und Hunden überfüllten Shanghai hatten die Hospitäler Tausende Hundehalter und Passanten zu verarzten. Allein das Punan-Volkshospital in Shanghai-Pudong meldete eine Rekordzahl von 540 gebissenen Patienten.

Die Frage, ob sich Chinas Städte weiter solches Chaos-Feuerwerk leisten können, wird nun wieder neu gestellt. Shanghais Stadtväter wollen zugleich dem unkontrollierten Hundeboom ein Ende setzen. Diese Woche verabschiedeten sie ihren seit November kontrovers diskutierten städtischen Gesetzentwurf dazu. Ab 15. Mai werden Stadtfamilien nur noch einen Hund halten dürfen und müssen ihn registrieren lassen. Shanghaier Medien nennen das in Anlehnung an Chinas "Ein-Kind-Politik" die neue "Ein-Hund-Politik". Andere Städte wollen dem Beispiel Shanghais folgen. Einige wie Kanton verfolgen längst eine Ein-Hund-Politik. Nachdem Peking seine Autozulassungen drosselte, um den Verkehrskollaps abzuwenden, den Kauf von Zweitwohnungen erschwerte, um der Immobilienblase Luft abzulassen, witzeln Blogger im Internet über die zukünftige "Normfamilie" eines jeden Chinesen: "Ein Kind, ein Hund, ein Auto, eine Wohnung und auch nur eine Frau."

In Shanghai haben sich die Hunde innerhalb von zehn Jahren von 60 000 auf heute 750 000 vermehrt. Noch vor zehn Jahren ordneten chinesische Städte Hundekampagnen an, bei denen Hundefänger überfallartig Hatz auf unangemeldete Tiere machten und sie brutal erschlugen. Heutige Stadtverwaltungen würden damit einen Bürgeraufstand riskieren. Auch die früher eingefleischte Unsitte, dass Chinas Liebe zum Vierbeiner vor allem durch den Magen geht, ist in Großstädten verpönt.

Shanghais Ein-Hund-Politik erlaubt auch Ausnahmen. Familien, die bereits zwei oder mehr angemeldete Hunde besitzen, brauchen sich von ihren Haustieren nicht zu trennen. Shanghai senkt die Hundesteuer, um Neuanmeldungen zu ermutigen, und lockt mit Rabatten, wenn Halter ihre Tiere sterilisieren. Alle registrierten Hunde erhalten einen Chip, damit die Behörden den Überblick behalten. Das Gesetz nimmt Hundehalter in die Pflicht, ihre Tiere an der Leine zu halten. Wer ohne Plastiktüte und Schaufel seinen Hund ausführt, muss mit Geldbußen rechnen. Die Haltung großer Hunde ist verboten. Sie müssen den Behörden übergeben werden.

Es gibt aber Auswege: Wer mehrere Hunde hat, kann sie anmeldungstechnisch verteilen, einen etwa auf den Haushalt seiner Eltern und den anderen auf den Haushalt anderer Verwandten. Mit Kindern kann man das nicht machen.