Neuseeland

Jetzt droht Christchurch die Abrissbirne

Nach dem schweren Erdbeben im neuseeländischen Christchurch mit über hundert Toten muss möglicherweise ein Drittel des Stadtzentrums abgerissen werden. Das legten in den vergangenen Tagen vorgenommene Untersuchungen an den betroffenen Gebäuden nahe, sagte der Ingenieur Jason Ingham von der Universität Auckland am Samstag dem Fernsehsender TVNZ.

Bürgermeister Bob Parker sagte zu Sky News, es müssten ganze Häuserblocks abgerissen werden. Der zuständige Minister Gerry Brownlee sagte, das Stadtzentrum müsse möglicherweise monatelang abgesperrt bleiben.

Brownlee warnte auch, dass Christchurch als Austragungsort der Rugby-Weltmeisterschaft in Neuseeland in Gefahr sei. Ob einige der Spiele des Turniers wie geplant im September und Oktober in Christchurch ausgetragen werden könnten, sei fraglich, sagte Brownlee zu TVNZ. Die Rugby-Weltmeisterschaft zu verlieren wäre zwar ein herber Schlag für die Stadt, die Frage müsse aber angesichts der enormen Schäden in der Stadt "realistisch" angegangen werden. Die zweitgrößte Stadt Neuseelands war als einer der Hauptaustragungsorte der WM vorgesehen gewesen. Das Stadion selbst wurde bei dem Beben der Stärke 6,3 vom Dienstag nur leicht beschädigt.

Dank seiner Fähigkeiten als Bergsteiger hat ein Neuseeländer nach dem Erdbeben am Dienstag 14 Menschen aus einem eingestürzten Bürogebäude gerettet. John Haynes befand sich während des Bebens in der sechsten Etage des 17-stöckigen Forsyth-Barr-Turms in Christchurch, wie der 64-jährige Behördenmitarbeiter der Zeitung "Christchurch Press" vom Samstag sagte. Das Innere des Gebäudes mitsamt dem Treppenhaus sei komplett eingestürzt, es sei nur noch eine Hülle übrig geblieben. Als Haynes sich nach Möglichkeiten der Flucht umsah, entdeckte er Rettungsausrüstungen mit Seilen und einem Vorschlaghammer. Er überzeugte seine Kollegen davon, dass Abseilen die einzige Möglichkeit sei, aus dem wackeligen Gebäude zu entkommen.

Mithilfe des Hammers schlugen die Kollegen ein Fenster kaputt, dann half Haynes den 14 Menschen beim Abseilen in 20 Meter Tiefe bis auf das Dach einer Garage. Von dort aus konnten sich die Kollegen selbst in Sicherheit bringen. Damit niemand abstürzte, wickelte der Hobbybergsteiger zur Sicherheit das Ende des Seiles um seinen Körper und setzte sich auf den Fußboden. Während der zweistündigen Rettungsaktion gab es immer wieder Nachbeben. "Es war wie im Krieg, wenn immer wieder Granaten einschlagen und man trotzdem versucht, seinen Job weiterzumachen", sagte Haynes.

Als Held wollte sich der 64-Jährige nicht bezeichnen. Er habe es lediglich als "sehr befriedigend" empfunden, dass er sich um die Kollegen kümmern und sie retten konnte. "Ihr Leben war in meinen Händen, das war eine riesige Verantwortung", sagte er. Bei dem Erdbeben der Stärke 6,3 kamen in Christchurch nach jüngsten Angaben mindestens 145 Menschen ums Leben. Rund 200 Menschen werden noch vermisst.