Fernsehen

Moderator ohne eigene Show

Eigentlich konnte man es schon etwas länger ahnen und zwar auch dann, wenn man die "Oliver Pocher Show" gar nicht einschaltet, sondern stattdessen lieber Harald Schmidt sieht.

Der sagte nämlich über seinen Ex-Kollegen neulich, als dieser in einem Einspieler zu sehen war: "Ich wollte es eigentlich raus schneiden, aber es ist doch ne schöne Erinnerung an meinen etwas pummelig gewordenen Freund am Kölner Ring. Oder wie er in gebildeten Kreisen heißt: das adipöse Ex-Talent."

"Ich danke Oliver Pocher"

Das war Anfang Februar. Schon damals wurde mehr oder weniger aufgeregt über ein Ende der "Oliver Pocher Show" spekuliert. Nun ist klar: Die Sendung wird abgesetzt. Wie Sat.1 am Freitagabend mitteilte, zeigt der Privatsender die letzte Ausgabe am 18. März um 23.15 Uhr. Oliver Pocher und Geschäftsführer Andreas Bartl hätten das Ende der Late Night Show beschlossen. Pocher werde sich auf neue Projekte konzentrieren. Bartl sagte laut Mitteilung: "Inhalt und Konzept der "Oliver Pocher Show" haben uns immer überzeugt. Leider ist es uns in einem schweren Quotenumfeld am Freitagabend nicht gelungen, zufriedenstellende Marktanteile zu erzielen. Ich danke Oliver Pocher und freue mich jetzt auf viele neue Projekte mit ihm."

Seit dem Start am 2. Oktober 2009 kam die Comedyshow mit dem heute 32-Jährigen auf keinen grünen Zweig. Zweistellige Marktanteile beim vom Sat.1 begehrten Zielpublikum zwischen 14 und 49 Jahren hatten Seltenheitswert. Immer wieder wurde öffentlich diskutiert, ob der Sender das Experiment vorzeitig beendet.

Zu Beginn der jetzt laufenden Fernsehsaison zog der Sender erste Konsequenzen: Die Show wurde Ende August 2010 von 22.15 Uhr auf 23.15 Uhr am späten Freitagabend verlegt. Mit neuen Alter Egos wollte Pocher Fans gewinnen: So schlüpfte er ins Kostüm von Bundeskanzlerin Angela Merkel und quälte die Prominenz als Society-Königin Sylvia Constanze von Weischenhirn.

Doch auch die spätere Sendezeit und die neuen Figuren halfen Pocher nicht weiter - mehr sorgte sein Privatleben mit Heirat und Kind für Wirbel als seine Witze vor dem TV-Publikum.

Und Pochers Ex-Kompagnon Harald Schmidt machte sich auch wieder über das Ende der Pocher-Sendung lustig:"Dann geht neben "Wetten, dass..?" ein weiterer großer Erfolg im deutschen Fernsehen zu Ende", sagte er. Pocher bleibt aber auch nach dem Ende seiner Freitagshow präsent: RTL garantiert ihm mit der Show "5 gegen Jauch", in der Pocher als Moderator agiert, gelegentliche Auftritte. Sat.1 teilte mit, für 2011/2012 seien zwei neue Prime-Time-Shows und ein serielles Format geplant. Einzelheiten "werden zeitnah kommuniziert", hieß es.

Bei Schmidt hingegen weiß man schon jetzt, dass es auch weiter gut laufen wird: Er wechselt im September für zwei Jahre zurück zu seinem früheren und Pochers jetzigen Arbeitgeber. Dort soll er zwei Mal pro Woche in der "Harald-Schmidt-Show" zu sehen sein, wie bereits von 1995 bis 2003.