Prozess

Kindermord für die Kamera

Sie gaben sich als Kinderfotografen aus, sprachen ihre potenziellen Models in Fußgängerzonen an. Doch statt die Kinder professionell abzulichten, wie sie es den Eltern versichert hatten, missbrauchten sie ihre Opfer.

Diesen erschütternden Fall von Kindesmissbrauch hatte das Bundeskriminalamt (BKA) im September aufgedeckt. Ein 38-jähriger Beamter aus Thüringen und ein 59-jähriger freier Fotograf aus Rastatt (Baden-Württemberg) sollen sich an mehreren Kindern vergangen, die Taten fotografiert und gefilmt und über das Internet verkauft haben, gab das BKA jetzt in Wiesbaden bekannt.

Beide Angeklagte sitzen in Untersuchungshaft. Bereits im Dezember wurde Anklage erhoben. Die Staatsanwaltschaft hat den Fall erst jetzt veröffentlicht, um die Opfer zu schützen und weitere Ermittlungen nicht zu gefährden. "Durch die Berichterstattung wird mit Sicherheit der ein oder andere Pädophile straffrei davonkommen. Das ist aber nicht zu verhindern", sagte der Sprecher. Die Stieftochter des einen Angeklagten, selbst Opfer, ist heute zwölf Jahre alt.

Einer der Angeklagten habe versucht, in Thailand einen Porno in Auftrag zu geben, bei dem die Kinder nach dem Missbrauch erdrosselt werden sollten. Ab dem kommenden Dienstag müssen sich die beiden Männer nun vor dem Landgericht Baden-Baden verantworten.

Nach Angaben der Ermittler gehört das Duo zu einem Pädophilenring, dem das BKA seit 2009 auf der Spur ist. Der Mann aus Rastatt soll mehr als 200 Mal Geschlechtsverkehr mit seiner erst neunjährigen Stieftochter gehabt haben. Bilder des Missbrauchs soll er auf Internetseiten vermeintlicher Modelagenturen veröffentlicht haben, woraufhin ihn laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft und des BKA auch andere "Fotografen" kontaktierten, "um das Mädchen ebenfalls fotografieren und missbrauchen zu können".

Die Männer setzten nach Angaben des BKA vor allem auf die Masche ihrer angeblichen Kindermodelagentur. "Sie haben die Kinder zu sich gelockt und die Eltern belogen, um die Kinder dann auszuziehen und sich an ihnen vergehen zu können", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die pornografischen Bilder wurden dann im Internet verbreitet. Zu einer Meldung der "Badische Neueste Nachrichten" wollte sich der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht äußern. Sie hatte berichtet, dass sich mehr als ein Dutzend Mädchen und junge Frauen aus Mittelbaden den Männern freiwillig für Aufnahmen zur Verfügung gestellt hätten.

Sogar Snuff-Film war geplant

Auch den Missbrauch seiner Stieftochter hatte der 59-Jährige von dem Beamten aus Thüringen filmen lassen und anschließend veröffentlicht. Zudem wird dem Rastatter sexueller Missbrauch an zwei weiteren Kindern vorgeworfen, eines davon soll erst fünf Jahre alt gewesen sein. Auf den Computern der Männer wurden Dutzende weitere kinderpornografische Fotos gefunden, darunter von vielen Kindern aus Asien, deren Identität bislang nicht geklärt werden konnte.

Die Bestellung des Kinderpornos in Thailand mit dem Tod der Kinder scheiterte nach Angaben der Ermittler am Geld. Die geforderten 600 Euro des thailändischen Produzenten seien dem Beamten aus Thüringen zu teuer gewesen. Deshalb habe er ein "kostengünstigeres und abgespecktes" Video erworben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ob dieses bestellte Video dann zustandegekommen ist und ob es sich dabei um einen Snuff-Film handelt, ist bislang ungeklärt.

Als Snuff-Filme werden Sexvideos bezeichnet, auf denen ein oder mehrere Darsteller beim Liebesakt oder danach umgebracht werden. Die Bezeichnung "Snuff" stammt vom gleichnamigen Horrorfilm aus Argentinien aus dem Jahre 1976, in dem angeblich eine der Darstellerinnen während der Aufnahmen getötet wurde. Es hat sich dabei jedoch um eine reine Marketingaktion gehandelt. Das Thema war daraufhin Anlass für weitere Filme, die sich mit diesem Thema auseinandersetzten. Wie "Acht Millimeter" von Joel Schumacher 1999, in dem ein Privatdetektiv von einer reichen Witwe beauftragt wird, den Produzenten des Snuff-Films, den sie im Tresor ihres verstorbenen Mannes gefunden hat, ausfindig zu machen. Auch "Greta - Haus ohne Männer" von Jess Franco im Jahre 1977 handelt von Snuff-Filmen. Bis heute ist jedoch kein echter Snuff-Film bekannt.

Für die Verhandlung vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts Baden-Baden sind vier Verhandlungstage angesetzt. Das Gericht bereitet sich auf großen Andrang zum Auftakt des Missbrauchsprozesses vor. Das Urteil soll am 16. März fallen. Der Strafrahmen bei schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern liegt zwischen zwei und 15 Jahren.