Opernball

"Sie ist eine tolle Frau"

Was hat man beim altehrwürdigen Wiener Opernball mit den Gästen von Richard "Mörtel" Lugner (77) nicht schon alles erlebt. Striptease-Künstlerin Dita von Teese schloss sich wegen der aufdringlichen Presse auf der Toilette ein, It-Girl Paris Hilton zeigte sich mehr als gelangweilt, und Schauspielerin Lindsay Lohan erschien einfach nicht.

Und nun das: Als diesjährige Begleitung hat sich Lugner ausgerechnet die Dame ausgesucht, die als angebliche minderjährige Geliebte des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gilt. Karima El Mahroug alias Ruby Rubacuori ("Ruby Herzensbrecherin", 18) soll das schmückende Beiwerk für den alternden Playboy und Baulöwen aus Österreich sein. Aufgrund der Affäre mit der damals erst 16 Jahre alten Ruby wurde Berlusconi erst kürzlich angeklagt. Eindeutig zu viel für die österreichische Ballgesellschaft. Die Organisatoren schäumen und zeigen sich wenig begeistert über die herzige Begleitung. "Ich bin ein bisschen traurig, dass man unser Fest verderben will, aber das wird man nicht schaffen", sagt Staatsoperndirektor Dominique Meyer. Auch Opernball-Chefin und Grande Dame des Balls, Desirée Treichl-Stürgkh, distanzierte sich "vehement" von der Dame. "Das ist die größte Peinlichkeit, die Herr Lugner jemals gemacht hat. Es ist traurig, beschämend und pietätlos." Man erwägt, Lugner im kommenden Jahr die gemietete Loge für den Ball zu entziehen.

Der Programmdirektor des ORF, Wolfgang Lorenz, findet deutlichere Worte. Sein Sender überträgt das gesellschaftliche Ereignis jedes Jahr live im Fernsehen. In einer Order, die per E-Mail an seine Mitarbeiter ging, schreibt er, man solle den Opernball nicht zum "Nuttenball" werden lassen. Sollte die junge Frau tatsächlich auftauchen, sei sie "als unvermeidbare Marginalie zu behandeln", und man solle sie nicht interviewen. Das berichtet die österreichische Zeitung "Die Presse".

Richard Lugner kann die ganze Aufregung schlicht nicht verstehen. "Die Besucher und Besucherinnen am Opernball werden auch schon mal was mit jemandem gehabt haben. Das sind Doppelstandards. Sie ist eine tolle Frau. Und auch Päpste hatten Mätressen", verteidigte er gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA seine Begleitung.