Fernsehen

Umstrittener Film über Amanda Knox ausgestrahlt

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Es irrt, wer meint, die amerikanische Nation habe sich am Montagabend vor dem Fernsehen versammelt, um mit geballten Fäusten und Racheverwünschungen das Drama "Amanda Knox: Murder on Trial in Italy" zu bezeugen.

Das Aufsehen war gering, und das war ein gutes Zeichen. Die Dramatisierung des Mordfalls durch den österreichisch-amerikanischen Regisseur Robert Dornhelm schlug sich auf keine Seite eines Glaubenskrieges, der vor zwei Jahren die Boulevardpresse Italiens und der USA aufeinanderhetzte und zu Boykottaufrufen gegen italienische Restaurants verleitete.

Knox und ihr italienischer Ex-Freund Raffaele Sollecito waren im Dezember 2009 in Perugia wegen Mordes an der britischen Studentin Meredith Kercher zu 26 und 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das 21-jährige Mordopfer war zwei Jahre zuvor halb nackt und mit durchschnittener Kehle in dem Haus gefunden worden, das es gemeinsam mit Knox und zwei Italienerinnen in Perugia bewohnte. Seit Dezember läuft das Berufungsverfahren, in dem neue Beweismittel zugelassen sind. Knox' Familie hatte über ihre Anwälte alles getan, eine Ausstrahlung des Films zu verhindern. Sie beklagten "selbstsüchtige, profitgierige Motive" in dem "schändlichen, mit Ungenauigkeiten gespickten" Film. Die Eltern von Meredith Kercher beschweren sich hingegen, dass der Rummel um Knox, ob um "den Engel mit den Eisaugen" oder das Justizopfer, das Gedenken an ihre Tochter Meredith unerträglich übertöne. Jetzt schon einen Film zu machen sei "völlig unangemessen und ungerechtfertigt".

Fest steht, dass keine rechtlichen Schritte die Ausstrahlung des Films von Robert Dornhelm verhinderten. Das wäre auch zu viel der Ehre für ein konventionelles Fernsehdrama gewesen. Er könne nicht sagen, welcher Seite sein Film nütze, hatte Dornhelm erklärt. Hayden Panettiere, die Darstellerin von Amanda Knox, hat den Film als fair verteidigt. Die US-Schauspielerin hatte sich geweigert, der Aufforderung der Familie zu folgen und Knox im Gefängnis zu besuchen. Auch Robert Dornhelm entschied sich nach einigen Vorgesprächen, keine Angehörigen der einen wie der anderen Seite zu treffen. Diese Zurückhaltung habe er auch seinen Darstellern empfohlen. Seine Begründung klingt bizarr und brutal: "Als Arzt will ich ja auch nicht wissen, wen ich gerade operiere."

Gelitten hat an dem Film, so berichtet Knox' Stiefvater Chris Mellas nach einem Telefonat mit seiner Tochter, die zu 26 Jahren Haft verurteilte Mörderin im Gefängnis in Italien. Sie sah einen Trailer des Films in der Zelle und kämpfte vor Entsetzen mit Übelkeitsanfällen und Atemnot. Über ihre Schuld besagt das nichts.