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"Wir haben es zusammen verbockt"

Die Arme und Beine sind schmal geworden. Seit dem 4. Dezember hat er sie nicht mehr bewegt, das lange Liegen hat Samuel Koch, der früher so sportlich war, seiner Muskeln beraubt. "Ich hatte schon Momente, in denen ich lieber im Himmel gewesen wäre, als hier im Bett zu liegen", sagte der 23-Jährige der "Bild am Sonntag".

Es ist sein erstes Interview seit dem Unfall, der vor mehr als zwei Monaten bei "Wetten, dass..?" geschah. Seitdem ist Samuel von der Schulter abwärts gelähmt und liegt im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil.

Und dennoch: Samuel ist fest entschlossen zu kämpfen. "Ich will wieder voll zurück ins Leben", sagte er. "Ich weiß definitiv, dass ich hier auf meinen eigenen zwei Beinen rausgehen werde." Zum ersten Mal konnte er am vergangenen Dienstag einige Zeit in einem Rollstuhl sitzen. Seine Eltern haben ihn auf den Balkon der Klinik geschoben. Das sei ein wesentlicher Fortschritt nach elf Wochen, sagte er. "Es gab mehrere Versuche in diese Richtung, aber die wurden durch meine Blutergüsse am Hals und eine verschlossene Schlagader verhindert."

Die Physiotherapie beginnt am frühen Morgen. Erst sind die Hände dran, ein Ergotherapeut dehnt und streckt jeden einzelnen Finger, damit er irgendwann wieder greifen kann. Dann bewegt ein Physiotherapeut seine Arme und Beine, um die Muskulatur wiederaufzubauen. Manchmal müsse er in seinem Ehrgeiz sogar gestoppt werden. Wenn er ein paar Stunden am Tag nichts tun kann, sage er: "Mama, ich darf hier nicht verwahrlosen. Du musst mich erinnern." In seiner Situation gebe es keinen schnellen, täglichen Fortschritt, sagte er der BamS. Ob es wirklich ein Fortschritt war, merke er zum Beispiel, wenn ihn ein Freund nach Wochen besuche und sage: "Boah, krass! Du kannst deinen Kopf bewegen und deine Arme nach hinten legen!"

Er werde wieder glücklich sein, sagte er. "Ich werde Spaß am Leben haben, das war immer so." Er sehe grundsätzlich das Leben als Geschenk an. "Es gibt sehr viele Leute, denen es um einiges schlechter geht als mir." Dennoch habe er auch depressive Phasen.

Zu seinem Unfall sagte er: "Zwischen Papa und mir ist die Schuldfrage geklärt, wir haben es zusammen verbockt. Ob da noch andere Instanzen eine Rolle spielen, kann ich nicht beurteilen."