Hordorf: Lokführer des Unglückszugs war vorne

Der Lokführer des Unglücksgüterzugs von Hordorf ist nach Angaben des Eisenbahnbundesamts zum Zeitpunkt der Katastrophe auf der ersten der beiden Lokomotiven des Zugs gefahren.

Das ergebe sich aus einer "Grobauswertung" der Fahrtenschreiber und Diagnosegeräte, sagte ein Sprecher der Behörde. Demnach wurde der Güterzug, der in Hordorf (Sachsen-Anhalt) frontal mit einem Personenzug des Privatunternehmens Harz-Elbe-Express zusammengeprallt war, von der ersten Lokomotive aus gesteuert. Bei dem Unglück waren am 29. Januar zehn Menschen ums Leben gekommen, zahlreiche weitere Reisende wurden verletzt. Das Eisenbahnbundesamt wies damit Spekulationen zurück, wonach der Lokführer auf der zweiten Lok war und möglicherweise deswegen Haltesignale übersehen hat. "Dafür haben wir keine Anhaltspunkte", hieß es. Die Auswertung der Fahrtenschreiber und Diagnosegeräte habe aber den Verdacht bestätigt, dass der Mann zwei Signale überfahren hat. Die Staatsanwaltschaft in Magdeburg wollte die Erkenntnisse des Bundesamts nicht kommentieren. Die Ermittlungen gegen den Lokführer dauern an. Er habe sich bis jetzt noch nicht zu dem Vorfall geäußert, sagte eine Sprecherin. Der Mann wurde bei dem Unfall nur leicht verletzt.

Unterdessen will die Deutsche Bahn AG die Strecke bei Hordorf schnellstmöglich mit einem automatischen Bremssystem ausstatten, mit dem derartige Unfälle womöglich zu vermeiden wären. Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) sagte Radio Brocken: "Sobald das Wetter mitspielt und die Baumaterialien da sind, geht es los." Die Bahn hatte kurz nach dem Unglück erklärt, die Bauarbeiten seien ohnehin schon geplant gewesen und hätten im März beginnen sollen. Bis zum Jahresende soll das zusätzliche Sicherungssystem in Betrieb gehen.