Unglück

Giftalarm: 38 Verletzte bei Chemieunfall

Bei einem Chemieunfall im nordhessischen Homberg (Efze) sind 38 Menschen verletzt worden. Nach Angaben der Polizei beschädigte ein Gabelstapler im Zwischenlager eines Transportunternehmens gegen 0.30 Uhr ein 200-Liter-Fass mit Phenyl-Mercaptan.

Etwa 30 Liter der giftigen Schwefelverbindung liefen aus. 38 Menschen wurden mit Atemwegsreizungen in Krankenhäuser gebracht, unter ihnen vier, die in unmittelbarer Nähe des Fasses gestanden hatten. Alle Feuerwehren des Landkreises Schwalm-Eder und Einheiten umliegender Landkreise waren in der Nacht alarmiert worden. Es waren etwa 120 Sanitäter und Rettungskräfte, zehn Notärzte sowie rund 50 Spezialisten im Einsatz. Die Polizei sperrte das Gebiet zunächst weiträumig ab, die umliegenden Firmen wurden geräumt, die Bevölkerung aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Der ätzende Stoff greift Atemwege und Schleimhäute an und hat dem Sprecher zufolge einen knoblauchähnlichen Geruch.

Etwa 240 Menschen, darunter Arbeiter und Einsatzkräfte, kamen auf dem Firmengelände mit den Dämpfen in Berührung. Die meisten von ihnen wurden mit Bussen in die Stadthalle gebracht, untersucht und über die Spätwirkungen des Stoffes aufgeklärt, die auch noch nach 48 Stunden auftreten können. Sie mussten sämtliche Kleidung abgeben, duschen und erhielten neue Kleidung. Nachdem weitere Entgiftungsteams eingetroffen waren, wurde auch noch die Großsporthalle Homberg zur Verfügung gestellt.

Spezialisten gelang es, einen größeren Behälter über das Fass zu stülpen und es zu verschließen. "Das Fass muss erst noch von Experten entsorgt werden", ergänzte ein Polizeisprecher. Dem Homberger Bürgermeister Martin Wagner (CDU) zufolge wurde dafür ein Spezialist der niederländischen Herstellerfirma angefordert.