Schiffsunfall

Erfolg auf dem Rhein

Einen Monat nach der Havarie im Rhein ist das Schiff "Waldhof" von Bergungsspezialisten angehoben und gedreht worden. "Wir haben das Schlimmste hinter uns. Uns fallen viele Steine vom Herzen", sagte der Staatssekretär des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, Roger Lewentz (SPD), am Sonntag.

Im Inneren des Tankers fanden die Bergungsspezialisten eine männliche Leiche.

Seit dem Schiffsunfall war nach zwei vermissten Bootsleuten gesucht worden. Man müsse jetzt klären, welcher der beiden Vermissten gefunden wurde, sagte Lewentz. Nachdem das Schiff aufgerichtet worden war, konnte erstmals der Wohnbereich des Tankers untersucht werden. Aus diesen völlig zerstörten Räumen sei die Leiche geborgen worden.

Noch am Sonntagabend wurde die Schifffahrt stromaufwärts wieder freigegeben. Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) schätzte, dass noch zehn Prozent bis zum Abschluss der Bergung fehlten. Die "Waldhof" soll an diesem Montag noch in den Loreleyhafen gezogen werden. An der Unglücksstelle war seit den Morgenstunden Wasser aus den Tanks des Havaristen gepumpt worden, um ihm Auftrieb zu geben. Drei Kräne waren im Einsatz.

Am Mittag war das Schiff bereits fast in Normallage. Damit liefen die Bergungsarbeiten der Spezialfirma Mammoet, die 2001 das russische Atom-U-Boot "Kursk" aus den Tiefen der Barentssee gehoben hatte, deutlich schneller als erwartet. Das 110 Meter lange Schiff war am 13. Januar mit 2400 Tonnen Schwefelsäure an Bord nahe des Loreleyfelsens aus ungeklärter Ursache gekentert. Zwei Besatzungsmitglieder wurden danach gerettet.

Bruch sagte mit Blick auf die Arbeiten seit dem Unfall: "Wir können froh sein, wie es gelaufen ist." Die Probleme seien vielfältig gewesen. "Wir hatten alles, was man bei solch einer Lage nicht gebrauchen kann." Für eine Schätzung der Kosten sei es viel zu früh. Auf dem Weg zur Bergung sahen sich die Experten immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Erst verzögerte das Hochwasser die Anfahrt der Kräne, weil sie wegen des hohen Wasserstands nicht unter den Rheinbrücken durchkamen. Dann bildete sich wegen der Strömung eine mehrere Meter tiefe Mulde an der "Waldhof", das Schiff drohte abzurutschen. Als diese Gefahr mit Hilfe weiterer Stahlseile gebannt war, entdeckten Chemiker, dass sich in der mit Wasser gemischten Säure Wasserstoff gebildet hatte. Stickstoff wurde deshalb tagelang in die Tanks gepumpt und verdrängte das hochexplosive Gas. Zuletzt musste die Einsatzleitung sogar ein Auseinanderbrechen des Havaristen fürchten. Nachdem man angefangen hatte, die Säure aus einem der sieben Tanks zu pumpen, verbog sich der Schiffsrumpf. Aufgrund der enormen Spannung entstanden Beulen an dem Tanker. Die Behörden ließen daher kontrolliert Schwefelsäure in den Rhein ab. Bis auf einen Rest von 100 Tonnen wurde die Säure in den Fluss oder auf ein anderes Schiff gepumpt. Behörden und Umweltschutzverbände sprachen von nur geringen Beeinträchtigungen der Natur. Beim Mischen mit Wasser entstehen vor allem hohe Temperaturen. In geringen Mengen ist dies unschädlich.