Kriminalität

Entsetzen über "deutschen Fritzl" aus dem Westerwald

Ein kleiner Ort im Westerwald steht plötzlich im Fokus der Öffentlichkeit. Was hier ans Tageslicht kam, hätte in der Gegend wohl niemand vermutet: Der 48-jährige Detlef S. ist angeklagt, seine leibliche Tochter und zwei Stiefkinder missbraucht zu haben.

Detlef S. soll die Kinder auch an zwei weitere Männer verkauft - und mit einer Stieftochter seit dem Jahr 2000 acht Kinder gezeugt haben. Eines davon starb 2001 am plötzlichen Kindstod. Der Mann wird bereits "deutscher Fritzl" genannt.

Eine Nachbarin erzählt, wie sie immer wieder die Polizei rief - häufig habe es Alkoholexzesse und Streitereien gegeben. "Da sind auch die Fäuste geflogen." Der Vater habe die Kinder geschlagen, und auch die Mutter, wenn sie versucht habe zu schlichten. Was sich aber noch hinter dem Gartenzaun abgespielt habe, hätte in der Nachbarschaft niemand geahnt, sagt die Frau. Hinweise auf Misshandlungen hat es auch beim Jugendamt gegeben. Der Sprecher des zuständigen Altenkirchener Jugendamts, Joachim Brenner, betont jedoch, das Amt sei diesen stets nachgegangen. Bei einer Untersuchung der Kinder seien keine Spuren von Misshandlungen gefunden worden. Natascha S., mit der der Stiefvater vermutlich acht Kinder zeugte, hat nach Aussage des Jugendamtssprechers die Missbrauchsfälle immer wieder vehement bestritten. Deshalb habe das Amt keine Handhabe gehabt. Erst jetzt, nachdem die 18-jährige leibliche Tochter und die Mutter mit ihren Aussagen die Situation beendet haben, habe sich das Jugendamt in der Lage gesehen zu handeln. Am Dienstag kommender Woche beginnt der Prozess gegen Detlef S. vor dem Koblenzer Landgericht.