Kriminalität

Stiefsohn engagiert Killerkommando aus Sorge ums Erbe

Der kaltblütige Doppelmord an einem Regierungsbaudirektor (82) und seiner Tochter vor rund acht Monaten in Düsseldorf ist aufgeklärt. Um seine Enterbung zu verhindern, habe der Stiefsohn der Familie - ein Bordellbetreiber - zwei Auftragskiller angeheuert, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

Für eine niedrige vierstellige Summe hätten zwei 21 und 22 Jahre alte Drogenabhängige den alten Mann und seine 39-jährige Tochter mit Schüssen in den Hinterkopf ermordet. Bei dem Erbe der bescheiden lebenden Familie sei es um etwa eine Million Euro gegangen. "Das war eine Hinrichtung", sagte ein Polizeisprecher. Das "schwarze Schaf" der Familie, Bordellbetreiber Detlef W. (56), soll die Killer im Juni 2010 selbst zum Tatort gefahren haben. Die Mörder hatten an dem Haus geklingelt und sich als Paketboten ausgegeben. Doch in dem Paket befand sich eine Pistole mit Schalldämpfer. Die betagte leibliche Mutter des 56-Jährigen sollte verschont werden.

Die Ermittler fanden in den Unterlagen der 39-jährigen Yoga-Lehrerin Hinweise auf den Erbschaftsstreit. Der Stiefsohn sollte enterbt werden, weil die Familie kurz zuvor erfahren hatte, dass er ein Rotlichtetablissement betrieb. Eine Überwachungskamera eines nahe gelegenen Hotels hatte zur Tatzeit zudem einen Wagen gefilmt, der sich später als der des Stiefsohns herausstellte. Auf dem Rückweg war der mutmaßliche Drahtzieher in eine Radarfalle geraten. Geholfen hat bei den Ermittlungen auch der letzte Anruf der ermordeten Tochter. Sie hatte noch den Notruf 110 mit ihrem Handy gewählt, aber nichts mehr sagen können. Aufgenommene Stimmfetzen mit hessischem Akzent konnten schließlich den Tätern zugeordnet werden. Eine Abhöraktion der Polizei brachte dann den Durchbruch: Der 56-Jährige sprach mit einem der Killer über die Tat, während die Ermittler heimlich lauschten.