Kriminalität

Ein Serienmörder unter Druck

Die Polizei erhöht den Ermittlungsdruck auf den Serienmörder im Fall Dennis und hat 20 000 Euro Belohnung für seine Ergreifung ausgesetzt. Nachdem die Fahnder neue Erkenntnisse über das Auto von Dennis' möglichem Mörder präsentiert hatten, gingen bereits mehr als 200 neue Hinweise ein.

Die Polizei in Verden will diese nun sondieren. Eine heiße Spur sei noch nicht dabei, teilte die Polizei mit. "Einige Anrufe werden aber als interessant eingestuft", sagte Sprecher Jürgen Menzel. Die Fahnder suchen zudem mit einer Phantomskizze nach dem Mann.

Nach Angaben eines Profilers ist der Täter wahrscheinlich ein unauffälliger, sozial integrierter Mann, bei dem Nachbarn und Freunde kaum Verdacht auf einen Zusammenhang mit den Morden hätten. Die Soko in Verden arbeitet seit dem Verschwinden von Dennis 2001 ohne Unterbrechung an dem Fall. Bislang wurden rund 7800 Spuren bearbeitet. Der neunjährige Dennis aus Osterholz-Scharmbeck war am 5. September 2001 nachts aus einem Schullandheim im Kreis Cuxhaven verschwunden. Zwei Wochen später fanden Pilzsammler etwa 45 Kilometer von dem Heim entfernt seine Leiche in einem Gebüsch. Er war erstickt worden. Die Ermittlungen machten die Polizei auf Parallelen zu anderen ungeklärten Fällen aufmerksam. Dabei stellte sich heraus, dass der Unbekannte vermutlich für weitere Morde verantwortlich ist. Eines der Opfer wurde in Frankreich gefunden, ein anderes in den Niederlanden. Die Opfer waren immer blonde Jungs ähnlichen Alters. Außerdem können ihm wahrscheinlich zwischen 1992 und 2004 rund 40 Missbrauchsfälle zugeschrieben werden.

Fast zehn Jahre nach dem Mord an Dennis aus Niedersachsen gibt es mit einer neuen Zeugenaussage erstmals seit langer Zeit wieder konkrete Hinweise auf den Täter. Ein Jogger erklärte, er habe den Serienmörder mit dem Jungen gesehen. Auf dem Rücksitz des Wagens saß offenbar Dennis. Der Zeuge will das auffällige T-Shirt des Jungen mit den Hundemotiven wiedererkannt haben.

Nach den neuen Hinweisen zu Dennis macht sich auch die Polizei Flensburg wieder Hoffnung, einen ähnlichen Fall lösen zu können. Die Parallelen zu Dennis sind frappierend: 1995 war ein Achtjähriger, der ebenfalls Dennis hieß, aus einem Zeltlager am Selker Noor (Kreis Schleswig-Flensburg) verschwunden. Seine Leiche wurde später in Dänemark gefunden.

Auch das Fernsehen könnte zur Aufklärung der Mordserie beitragen - und zwar durch einen "Spiegel-TV"-Beitrag, der am Sonnabendabend um 22.05 Uhr auf Vox ausgestrahlt und am Montagabend um 23.10 Uhr auf n-tv wiederholt wird. In einer fast 90-minütigen Dokumentation werden die Taten und Zusammenhänge der Fälle, die Arbeit der Sonderkommission und der neue Hinweis noch einmal thematisiert.