Trauerfeier

Bewegender Abschied von den Opfern von Hordorf

Mit einer Trauerfeier im Halberstädter Dom ist am Sonnabend der Opfer des Zugunglücks von Hordorf gedacht worden. Rund 1000 Menschen nahmen an dem Trauergottesdienst teil, unter ihnen Angehörige und Freunde der Opfer sowie Repräsentanten von Landesregierung, Kirchen und Bahnunternehmen.

Sie erinnerten an die zehn Toten und dankten zugleich den Helfern für ihren Einsatz. Für jeden Toten wurde eine große Kerze entzündet und auf einem Holzkreuz aufgestellt. Landesbischöfin Ilse Junkermann sprach den Trauernden Trost zu.

Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sagte den Angehörigen: "Wir wünschen Ihnen die Kraft, das Geschehene zu verarbeiten und selbst wieder den Weg ins Leben zurückzufinden." Böhmer erinnerte auch an das Leid der Verletzten. Selbst wenn die körperlichen Verletzungen wieder heilten, so blieben doch die seelischen Verletzungen. "Seelisch Verwundete leiden still, aber auch sie leiden und brauchen Hilfe. Auch an sie denken wir in dieser Stunde."

Böhmer dankte zugleich den Rettungs- und Einsatzkräften für ihre schnelle und professionelle Hilfe sowie den Einwohnern von Hordorf, die als Erste am Unglücksort waren. Es habe im Ort eine große Welle der Hilfsbereitschaft gegeben.

Böhmer sagte auch, es gebe immer wieder die Frage nach dem Warum und die Suche nach rationalen, erklärbaren Ursachen. Dies müsse aber den Fachleuten überlassen werden. Er warnte vor pauschalen Schuldzuweisungen.

Landesbischöfin Junkermann sagte, keiner sei vor einer falschen Entscheidung gefeit. Dieses Unglück erinnere daran, dass Menschen fehlbar seien. Keiner sei vor Versagen und Schuldigwerden gefeit. Der Hergang ließe sich erklären, und tröstete die Angehörigen damit, dass bei Gott kein Leben verloren gehe.

Bei den Toten handelt es sich um vier Mädchen und Frauen im Alter von 12 bis 61 Jahren und sechs Männer im Alter von 33 bis 74 Jahren. Neun der Opfer stammten aus dem Landkreis Harz, ein Opfer aus Mecklenburg-Vorpommern. An der Trauerfeier nahmen auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der Chef der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube, sowie Mitglieder der Geschäftsführungen des HEX-Betreibers Veolia teil. Zudem waren auch zahlreiche Landespolitiker, unter anderen fast alle Mitglieder des Kabinetts, unter den Trauergästen.

Unterdessen berichtet die Zeitschrift "Der Spiegel", Deutsche Bahn, Eisenbahn-Bundesamt und Bundesverkehrsministerium wüssten seit 1997 von den Risiken der Strecke. Der Bahn war laut Bericht bewusst, dass die Strecke "durch eine Ereignishäufung gekennzeichnet" sei. Der PZB-Einbau müsse "bis spätestens Ende 2008 erfolgen", soll es in einem Vermerk heißen.