Vorwürfe

Love-Parade - Ein Befehl mit grausigen Folgen

Rund ein halbes Jahr nach der Love-Parade-Katastrophe haben Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben.

Mehrere Ordner, die an der westlichen Einlasskontrolle des Veranstaltungsgeländes im Einsatz waren, berichten nach Informationen des Magazins "Spiegel" übereinstimmend von einem möglicherweise verhängnisvollen Befehl eines leitenden Polizisten. Der Beamte habe am Nachmittag des 24. Juli die komplette Öffnung der Eingangsschleuse befohlen, obwohl die Veranstaltungsleitung zuvor das genaue Gegenteil angeordnet hatte, nämlich deren Schließung, weil schon zu dieser Zeit eine Überfüllung des Partyareals drohte. Dies soll um etwa 15 Uhr geschehen sein.

"Unsere Einwände, dass es dadurch zu einem Stau im Eingangstunnel kommen wird, hat der Beamte nicht gelten lassen", sagt dem Bericht zufolge einer der Ordner, "wir mussten seiner Anweisung Folge leisten." Der Polizist habe den Kreuzungsbereich vor der Absperrung entlasten wollen. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich mehrere Tausend Raver vor der Kontrollstelle gedrängt, Hunderte seien dann in den Tunnel geströmt.

Belastend für die Polizei könnten zudem Schilderungen von Ordnern sein, wonach sich Beamte von den privaten Sicherheitskräften ein Werkzeug aushändigen ließen, mit dem später die Zaunelemente einer Absperrung auseinandergeschraubt worden sein sollen. Offenbar ist dieses Beweisstück verschwunden. "Die Staatsanwaltschaft muss prüfen, ob der Sachverhalt zutrifft", sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums.

Bei dem Unglück waren 21 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung gegen 16 Beschuldigte, unter ihnen ein leitender Polizeibeamter.