Kriminalität

Mircos Eltern dürfen nichts verdrängen

Der Tod eines Kindes stellt für Eltern eine seelische Extremsituation dar. Im Fall Mirco sind Psychologen vor Ort, um die Eltern zu betreuen. "Eine solche Krisenintervention möchte verhindern, dass die Trauer in eine klinisch auffällige Depression übergeht", sagte die Psychologie-Professorin Sigrun-Heide Filipp am Freitag.

"Man kann beobachten, dass Menschen von solchen Ereignissen total erschlagen sind." Der Tod eines Kindes sei ein Ereignis, das zudem die gesamten Immunfunktionen schwäche.

Aufgabe der Psychologen sei es nun, die Betroffenen in ihrer Trauerarbeit zu unterstützen: "Die Psychologen müssen eine Atmosphäre schaffen, in der es den Eltern möglich ist, den Schmerz auszuhalten und auszuleben", sagte die Professorin der Universität Trier. Verdrängung sei in einem solchen Fall keine gute Strategie.

Bei ihrer Begleitung sollten die Psychologen behutsam vorgehen: "Ein guter Psychologe erteilt keine Ratschläge", sagte sie. Die Eltern müssten selbst herausfinden, was ihnen helfen könne.

Ziel einer psychologischen Betreuung sei es, die Trauernden in ein anderes Stadium zu führen: Die betroffenen Eltern sollten dabei lernen, ihre Gedanken an das schlimme Ereignis selbst kontrollieren zu können. "Je mehr Zeit verstreicht, desto mehr Menschen sind dazu in der Lage", sagte Filipp. "Manche schaffen es nie." Bei vielen Eltern, deren Kind gestorben sei, kämen Schuldgefühle hinzu.

Im Fall von Mircos Eltern sei die Trauerarbeit vermutlich erschwert: "Wenn man ein halbes Jahr lang in einem solchen Aufruhr der Unsicherheit war, wird es sehr, sehr lange dauern, das zu verarbeiten", sagte Filipp. Der Fund von Mircos Körper sei deshalb wichtig für die Trauerarbeit: Nun sei der Tod des Kindes eine Tatsache, das Geschehen abgeschlossen. Das Ereignis wirke auch traumatisierend auf Geschwister: "Sie müssen das Erlebnis als Teil ihrer Lebensgeschichte integrieren." Psychologen sollten es den Kindern ermöglichen, ihren Hass auf den Täter auszusprechen. "Sie sollten aber lernen, das nicht zu generalisieren", sagte Filipp. Die Ehen der betroffenen Eltern seien oft gefährdet.

Betroffen seien auch Angehörige der Täter: "Sie sind ebenfalls Opfer, wenn auch in einem anderen Sinne", sagte Filipp. Ihr Weltbild ist vermutlich erschüttert: "Man muss diesen Menschen helfen, damit umzugehen."