Rhein-Unglück

Die mühsame Bergung des Säuretankers

Die voraussichtlich wochenlange Bergung des im Rhein gekenterten Tankschiffs soll an diesem Sonnabend beginnen. Zwei Schwimmkräne und ein Kranponton der niederländischen Bergungsexperten Mammoet sollen dann in Position gebracht werden und das Wrack sichern.

Allein dies wird laut Einsatzleitung etwa drei Tage andauern. Unterdessen werden weiterhin ausgewählte Frachter am gekenterten Tanker vorbeigeführt. Am Donnerstag hatten rund 20 Schiffe die Unfallstelle passiert, mehr als 40 weitere konnten am Freitag an dem Havaristen vorbeifahren - aus Sicherheitsgründen allerdings nur solche, die rheinaufwärts unterwegs sind. Die Schiffe werden in Wartestellung gebracht und bekommen dann einzeln die Order, langsam das Wrack zu passieren. Rund 250 Schiffe lagen noch fest. Die Sperrung des Rheins wirkt sich mittlerweile auch auf die Produktion beim Ludwigshafener Chemiekonzern BASF aus. Da die Rohstoffversorgung des Standorts Ludwigshafen zu einem "Großteil" über den Rhein laufe, komme es bei bestimmten Einsatzstoffen zu Versorgungsengpässen, teilte das Unternehmen mit.

Die Kräne sollen nun helfen, in den kommenden Tagen mehrere Drahtseile unter dem Schiff durchzuziehen. "Es ist ein langer Prozess, an dessen Ende das Heben des Schiffes steht", sagte der Landrat des Rhein-Lahn-Kreises und Einsatzleiter, Günter Kern (SPD). "Hier baut ein Schritt auf dem nächsten auf." Nach Angaben der Staatskanzlei sollte am Freitag das Bergungskonzept der Spezialfirma von Fachbehörden überprüft werden. Das Unternehmen hatte schon 2001 das gesunkene russische Atom-U-Boot "Kursk" aus den Tiefen der Barentssee gehoben.

Während der Arbeiten am Wochenende soll tagsüber die Bundesstraße 42 aus Sicherheitsgründen an der Unglücksstelle nahe der Loreley gesperrt werden. "Es könnten Seile reißen und auf die Straße schnellen", sagte ein Polizeisprecher. Die Sperrung sei auch nötig, um einen "Aktionsraum" für die Bergungsarbeiten frei zu halten. Unter anderem müsse schweres Gerät auf der Straße transportiert werden. Wegen der Strömung können allerdings weiter keine Taucher eingesetzt werden, was die Arbeiten erschwert. Auf das Wrack sollen Einsatzkräfte gebracht werden, um zu prüfen, ob ein Teil der 2400 Tonnen Schwefelsäure an Bord mit Flusswasser in Kontakt gekommen sei. Die Säure reagiere dann aggressiv und könnte die Wände des Tankers angreifen.