Ermittlungen zur Loveparade

"Die Tragödie von Duisburg ist allgegenwärtig"

Der Boden ist matschig, das Gelände um den alten Güterbahnhof menschenleer. "Zufrieden, Herr Sauerland?", steht auf einem roten Plakat zwischen Grablichtern und weißen Holzkreuzen. Am Abend zuvor hat die Duisburger Staatsanwaltschaft bekannt gegeben, dass sie jetzt gegen 16 Beschuldigte ermittelt. Oberbürgermeister Adolf Sauerland steht nicht auf der Liste.

Gleich nach dem Unglück hatten viele Duisburger ihren Oberbürgermeister als Hauptschuldigen ausgemacht. Sauerland reagierte unbeholfen und wollte partout nicht zurücktreten. Ein halbes Jahr später ist in der Bevölkerung der schlimmste Zorn verraucht. Vor dem Rathaus, wo noch im Juli mehr als 200 Menschen wütend Sauerlands Rücktritt forderten, bleibt es am Mittwoch ruhig.

Auch gegen Rainer Schaller, den Veranstalter der Loveparade, wird nicht ermittelt. Schaller sagte, er hoffe, "dass die juristische Klärung möglichst schnell vonstattengeht". Aus persönlichen Gesprächen wisse er, dass sich gerade die Angehörigen der Opfer eine schnelle Klärung des Unglücks wünschten. Er selbst werde alles dafür tun, um bei der Aufklärung zu helfen. "Die Tragödie von Duisburg ist nach wie vor allgegenwärtig für mich", sagte Schaller. Auch in Zukunft stehe er für persönliche Gespräche mit den Betroffenen zur Verfügung.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg will nun damit beginnen, die 16 Beschuldigten anzuhören und ihre Aussagen überprüfen. "Der größte Teil der Ermittlungstätigkeit ist erfolgt", sagte Staatsanwaltschaft, Rolf Haferkamp. Ob in diesem Jahr noch mit einem Abschluss zu rechnen ist, ist offen. Die Behörde ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung in 21 Fällen und fahrlässigen Körperverletzung in rund 500 Fällen. Im Visier sind elf Mitarbeiter der Stadt Duisburg, vier vom Veranstalter Lopavent und ein Leitender Polizeidirektor.