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Wer etwas weiß, der sagt nichts

Das Königshaus sorgt für eine Welle patriotischer Gefühle auf der Insel. Diesmal aber geht es nicht um William Windsor und Kate Middleton, deren Hochzeit am 29. April eigens zum öffentlichen Feiertag ausgerufen wurde.

Das Objekt der Gefühlswallungen ist Williams Urgroßvater Albert Frederick Arthur George, genannt Bertie. Im neuen Film "The King's Speech" verkörpert Frauenschwarm Colin Firth meisterhaft den kettenrauchenden Stotterer, der 1936 als George VI. gegen seinen Willen den Thron besteigen musste. Mithilfe eines unkonventionellen Logopäden überwindet der scheue Monarch seine Behinderung so weit, dass er am Ende des Films eine Radioansprache zum Kriegsausbruch 1939 schafft.

Abneigung gegen die Medien

Den Golden Globe hat Firth schon erhalten, was die Londoner Abendzeitung "Evening Standard" zu patriotischer Begeisterung hinreißt: "Der Preis hat die Nation entzückt, jetzt geht es um den Oscar. Wir stehen wie ein Mann hinter Colin Firth!" Schließlich sei "The King's Speech", sekundiert der Journalist Ben Macintyre in der "Times", ein "Triumph des Filmemachens".

Prinz William, dessen Hochzeit am 29. April das eigentliche Thema in Großbritannien ist, stottert zwar nicht, dafür aber ist seine Abneigung gegenüber den Medien legendär. Tief steckt in dem heute 28-Jährigen das Trauma vom Unfalltod seiner Mutter Diana, die jahrelang von Paparazzi verfolgt wurde. "William verzehrt sich in totalem Hass auf die Medien", vertraute Tony Blairs Pressesprecher Alistair Campbell im September 1997 seinem Tagebuch an, das gerade als Buch erscheint.

Seit damals hat sich wenig geändert. Während sein jüngerer Bruder Harry (26) in TV-Interviews locker und ungekünstelt redet, fallen die Antworten des zweiten in der Thronfolge stets zögerlich und abgewogen aus. "Man merkt, wie er über jedes Wort nachdenkt", analysiert ein langjähriger Beobachter. Dementsprechend spärlich fallen bisher die Informationen über die Hochzeit aus. Seit der letzten dürren Mitteilung des Palastes sind zwei Wochen vergangen. So weiß die Welt nun, dass Kate Middleton mit dem Auto zur Westminster Abbey fahren wird. Nach der Trauzeremonie des Erzbischofs von Canterbury und der Ansprache von Richard Chartres, dem mit Prinz Charles befreundeten Bischof von London, soll das Paar in der Kutsche zum Buckingham-Palast fahren, wo die Queen einen Empfang gibt. Abends wird im kleineren Kreis getanzt.

In Londoner Wettbüros lässt sich Geld darauf setzen, zu welcher Melodie das Paar den ersten Tanz wagt. Einzelheiten gibt es nicht. "Wer etwas weiß, sagt nichts", lautet ein geflügeltes Wort im Königreich, und: "Wer etwas sagt, weiß nichts." Als glaubwürdig gilt die Geschichte aus Williams Studienzeit im schottischen St. Andrews: Neuzugängen in seinem Umfeld soll der Prinz damals gezielt mit Fehlinformationen gefüttert haben, um ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Wer mit der Presse plauderte, wurde gnadenlos fallen gelassen.

Die sogenannten Royal Watchers behelfen sich mit Spekulationen. Dass das Paar auf Geschenke verzichten und zu Spenden für langjährige Wohltätigkeitsorganisationen aufrufen will, dürfte der Wahrheit relativ nahekommen. Wenn es um die Obdachlosen-Hilfe Centrepoint geht oder den Tusk-Trust zur Bewahrung der afrikanischen Wildnis, hat sich der Prinz bisher nicht knauserig gezeigt. Dann spricht er auch mit den Medien.

Bloß keine Toaster schenken

Aus Mangel an Details stürzt man sich dann eben auf solche Informationen wie die, dass Kate und William keine Toaster und Tee-Sets geschenkt bekommen wollen. Wie wohlgemerkt ungenannte Quellen aus dem Palast verlautbaren ließen. Und dazu die Spekulation, die nicht allzu gewagt ausfällt, dass die Gäste lieber Geld an gemeinnützige Einrichtungen spenden sollten. Schließlich setzt sich Prinz William, genau wie sein Bruder Harry und alle anderen Royals, seit längerer Zeit für wohltätige Zwecke ein. Williams Vater Prinz Charles und Prinzessin Diana hatten bei ihrer Hochzeit 1981 eine große Zahl von Geschenken aus aller Welt erhalten, darunter ein komplettes Antiquitätenzimmer vom kanadischen Volk und 20 gravierte Silberteller aus Australien.

Was den Namen angeht, will der Thronfolger selbst offenbar am liebsten bleiben, was er seit Geburt ist: Prinz William. Kate Middleton hieße also in Zukunft Prinzessin Catherine, oder etwa nicht? O nein, stöhnen da die Hüter staubiger Traditionen. "Kate ist bürgerlich und kann nicht Prinzessin Catherine werden", so der Historiker Kenneth Rose. Da sie nicht einem Adelsgeschlecht entstamme, dürfe sie ohne eigenes Herzogtum ihres Mannes den strengen Regeln des Hofes entsprechend diesen Titel nicht führen. Stattdessen solle es "Prinzessin William" heißen. Aber dazu wird es, wenn nicht alles täuscht, denn doch nicht kommen. So viel Gespür für die Öffentlichkeit hat der kleine Prinz denn doch.

Unklar ist immer noch, wie das marode Londoner Transportsystem die große Zahl der Schaulustigen bewältigen soll. Die U-Bahnen sind bereits an gewöhnlichen Werktagen zum Bersten voll. Der frühere Londoner Bürgermeister Ken Livingstone hat jetzt vorgeschlagen, die Fahrten mit U-Bahnen und Bussen zur Royal Wedding kostenlos zu ermöglichen. Dann würden zumindest die Schlangen an Fahrkartenautomaten und Zugangsschranken kleiner. Kritiker glauben, die Maßnahme sei vorbeugend geplant, um im Falle von Zugausfällen die Protestwelle der auf der Strecke Gebliebenen abzumildern.