Prozess

Ermittlungen gegen 16 Verdächtige nach Love-Parade-Katastrophe

Ein halbes Jahr nach der Love-Parade-Katastrophe hat die Staatsanwalt Ermittlungen gegen 16 Verdächtige aufgenommen. Der im Kreuzfeuer der Kritik stehende Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) ist aber nicht dabei.

Auch gegen den Chef des Veranstalters Lopavent, Rainer Schaller, werde derzeit nicht ermittelt. Gegen die Verdächtigen wird laut Staatsanwaltschaft Duisburg ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung eingeleitet. Damit sind theoretisch Freiheitsstrafen zwischen drei und fünf Jahren möglich. Bislang hatten sich die Ermittlungen gegen unbekannt gerichtet. Namen wurden nicht genannt, Oberstaatsanwalt Rolf Haferkamp sagte der Morgenpost: "Wir tun unser Möglichstes, um die Identität der Personen, gegen die ermittelt wird, geheim zu halten. Wir wollen ihre Sicherheit nicht gefährden."

Das Duisburger Stadtoberhaupt stellte sich erneut vor seine Mitarbeiter. Es seien keinerlei Amtspflichten verletzt worden. Er werde alles tun, um seine Kollegen in der Stadtverwaltung zu unterstützen, erklärte Sauerland. Nach Informationen von "Spiegel online" sind unter den Beschuldigten der Rechts- und der Stadtentwicklungsdezernent sowie die stellvertretende Leiterin des Ordnungsamtes und der sogenannte Crowd-Manager von Lopavent sowie ein Leitender Polizeidirektor.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft wies die Hauptschuld der Stadt und Lopavent zu. Gewerkschaftschef Rainer Wendt sagte, geschlampt hätten "eindeutig Stadt und Veranstalter". "Die Beamten vor Ort haben teilweise ihr Leben aufs Spiel gesetzt." Lopavent wollte am Abend keine Stellung nehmen, kündigte aber eine Erklärung am Mittwoch an. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) betonte: "Die Verantwortlichen müssen ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden. Auch im Interesse von Opfern und Angehörigen legen wir Wert auf eine umfassende Aufklärung." Jäger verlangte, dass die Städte künftig bei den Genehmigungen für Veranstaltungen keine Abstriche bei den Sicherheitskonzepten zulassen dürften und sich die Veranstalter an die Auflagen halten müssten. Vor dem Love-Parade-Gelände war am 24. Juli 2010 ein qualvolles Gedränge entstanden, weil vorübergehend Zugänge und Ausgänge gesperrt wurden. 21 junge Menschen wurden zu Tode gedrückt und getrampelt. Das Zwischenergebnis beruht auf der Vernehmung von mehr als 2200 Zeugen und der Sichtung von Bildaufzeichnungen vom Geschehen.