"Ehrenmord" an Schwester: Jugendstrafe

Lüneburg - Ihre große Liebe zu einem Deutschen mußte eine junge Kurdin aus Celle mit dem Leben bezahlen. Ihr Bruder erstach die 21jährige vor fünf Jahren auf offener Straße, weil er die Familienehre verletzt sah. Am Freitag verurteilte das Lüneburger Landgericht den 25jährigen wegen Totschlags zu acht Jahren Jugendstrafe.

Die 21jährige wollte einen deutschen Mann heiraten. Als sie nach einem Familienstreit aus der Wohnung ihrer Eltern flüchtete, wurde sie von ihrem Lieblingsbruder verfolgt. Die Richter sahen es als erwiesen an, daß er ihr sechs Messerstiche zufügte, an denen sie verblutete.

Weder der Angeklagte noch die Eltern hatten im Prozeß ausgesagt. Zeugen beschrieben das Opfer als eine lebenslustige, sensible und intelligente junge Frau, "die als erste von ihrer Familie in Europa angekommen" sei. Zu ihrem Bruder habe sie ein besonders inniges Verhältnis gehabt.

Die 1994 aus Syrien nach Deutschland gekommene Familie hatte der ehrgeizigen jungen Frau erlaubt, für eine Ausbildung zur Pharmatechnischen Assistentin allein nach Lüneburg zu ziehen. Dort lernte sie ihre große Liebe - einen Deutschen - kennen. Als der Freund damals Bedenken wegen ihrer unterschiedlichen Religion äußerte, sagte sie nach seinen Angaben: "Kein Thema, Hauptsache, ich bin glücklich. Meine Familie ist offen." Dennoch verheimlichte sie der Familie die Beziehung.

Als die Familie eine Woche vor der Tat von dem Freund erfuhr, bedrohte die Mutter ihn am Telefon. Der Vater soll nach Angaben des heute 29jährigen Mannes im Hintergrund gesagt haben: "Laß die Finger von meiner Tochter." dpa