Ehestreit: Zwillinge erstochen

| Lesedauer: 3 Minuten

Aue - Mit großer Wahrscheinlichkeit sind wieder einmal Kinder die Todesopfer eines Ehedramas geworden: Im sächsischen Aue (Landkreis Aue-Schwarzenberg) sind zwei Zwillingsmädchen vermutlich von ihrem Vater erstochen worden. Angehörige fanden die beiden sechsjährigen Kinder am Freitag in der Wohnung des Mannes, teilte die Polizeidirektion Südwestsachsen am Samstag mit. Gegen den 38 Jahre alten Vater wurde vom Amtsgericht Zwickau Haftbefehl erlassen.

Familienangehörige hatten sich nach Angaben von Polizeisprecherin Mandy Steddin um die beiden Kinder Sorgen gemacht, da es wiederholt zwischen den Eltern Streit gegeben hatte. Die Eltern hatten sich offensichtlich getrennt. Schließlich war die Mutter aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Die Verwandten entdeckten die toten Kinder und den Vater, nachdem sie mit einem Ersatzschlüssel die Wohnungstür geöffnet hatten. Die Mädchen starben vermutlich bereits am Donnerstag. Details soll eine für Montag angesetzte Obduktion klären. Das mutmaßliche Tatmesser konnte die Polizei bereits sicherstellen.

Nach der Vernehmung durch den Haftrichter wurde der Vater in ein Haftkrankenhaus eingeliefert. Er hatte sich selbst schwere Verletzungen zugefügt und wurde festgenommen. Die Mutter erhält psychologische Betreuung. Die Mordkommission ermittelt.

Der Fall weist bemerkenswerte Parallelen zu der Tötung zweier Kinder durch einen Vater aus dem thüringischen Heiligenstadt auf.

Erst am Donnerstag fand der zweite Verhandlungstag im Prozeß gegen den 36jährigen Frank K. in Mühlhausen statt. Er gestand, seinen einjährigen Sohn Hannes und seine fünfjährige Tochter Lisa-Marie erstochen zu haben, bevor er sie, mit einem Auto und einer Puppe im Arm, ins Ehebett legte. Auch hier war das Motiv Eifersucht. Und auch im Fall der Kindstötung von Heiligenstadt hatte die Frau die gemeinsame Wohnung verlassen. Sie war zu ihrem neuen Freund gezogen und hatte ihrem Noch-Ehemann zuvor gesagt, Lisa-Marie sei nicht seine Tochter, sondern das Kind eines Geliebten. Wie der Vater aus Aue hatte auch der Mann aus Heiligenstadt sich nach der Tat selbst Verletzungen zugefügt. Er wollte seinem Leben ein Ende setzen, schluckte angeblich 40 Schlaftabletten, die allerdings nicht tödlich wirkten. Als der Mann aufwachte, stand die Polizei neben ihm.

Es sind immer wieder die Kinder, die bei den Konflikten zwischen den Eltern am schwersten zu leiden haben. Und die Verbrechen an den Schwächsten geschehen überall. Väter wie Mütter, die nach zerbrochenen Beziehungen sich und ihre Kinder töten, geben in Abschiedsbotschaften häufig an, die Kinder nicht allein in einem aus ihrer Sicht nicht mehr lebenswerten Leben zurücklassen zu wollen. Manchmal mischt sich in die Verzweiflung die Absicht, den anderen mit der Tötung des Kindes die empfindlichste "Strafe" für sein Vergehen zuzufügen. Ein Jahr ist es her, daß ein Vater in Italien seinen 14jährigen Sohn und seine 17jährige Tochter, die zu Besuch aus Bayern waren, tötete - weil er sich an der Mutter rächen wollte. Was den niederländischen Verkehrspolizisten, der Mitte des Monats seine Frau, seine drei Kinder und schließlich sich selbst erschoß, zu seiner Tat veranlaßte, ist ein Rätsel. Für die Nachbarn war das eine ganz normale Familie. dpa/BM