Grab-Versteigerung

Neuer Nachbar für tote Marilyn Monroe

Mit seinem letzten Satz muss Richard Poncher seiner Frau Elsie ziemlich viel Angst gemacht haben. "Wenn ich krepiere und du mich nicht mit dem Gesicht nach unten und mit Blick auf Marilyn (Monroe) begräbst, dann werde ich dich bis in alle Ewigkeit jagen."

Das war vor 23 Jahren, Poncher war 81 Jahre alt und wenig später tot. Elsie tat wie ihr geheißen und bat den Friedhofsdirektor, den letzten Willen ihres Mannes zu erfüllen. Mit beiden Händen drehte dieser den Leichnam Ponchers mit einem Ruck um - in seine für die Ewigkeit angedachte Position. Und so ruht der Unternehmer nun seit fast einem Vierteljahrhundert über Monroe, die sich 1962 mit einer Überdosis Barbiturate wahrscheinlich selbst das Leben nahm. Doch schon bald wird Richards ewiger Schlaf unterbrochen werden, denn die Witwe hat offenbar ihren Geschäftssinn entdeckt. Und den bösen Fluch vergessen.

Seit Dienstag bietet Elsie Poncher jene Ruhestätte, die ihr Mann einst von Monroes Ex-Ehemann und Baseball-Superstar Joe DiMaggio gekauft hatte, in prominenter Lage auf dem Friedhof Pierce Brothers Westwood Village Memorial Park in Los Angeles zum Verkauf an. Der Einstiegspreis beim Internet-Auktionshaus Ebay lag bei 500 000 Dollar (350 000 Euro). Mittlerweile haben 21 Personen für die Krypta geboten, und obwohl die skurrile Aktion noch bis zu diesem Montag läuft, steht der Preis schon jetzt bei 4,5 Millionen Dollar (3,2 Millionen Euro). Das macht das "Grundstück" zur wahrscheinlich teuersten Immobilie der Welt derzeit.

Das Motiv der Mittsiebzigerin ist banal: Ihr 7000-Quadratmeter-Anwesen in Beverly Hills ist mit einer Millionen-Hypothek belastet. Sie will die Villa ihren Kindern schuldenfrei hinterlassen - "das ist der einzige Grund, ehrlicher kann ich nicht sein", sagt sie.

Eine Art Minimuseum ist dieses Haus der Ponchers: Eine originale Picasso-Zeichnung, handsignierte Chagall-Drucke, Büsten, Skulpturen, teure Vasen verteilen sich in den zahllosen Räumen. Richard Poncher hat mit Elektronikfirmen und dem Verkauf überzähliger Armeeflugzeuge viel Geld verdient in seinem Leben. Angeblich wurde er aber auch mit Geschäften in der Halbwelt derart reich. Mit den Mafia-Bossen der 20er- und 30er-Jahre sei er per Du gewesen, berichtet seine Witwe.

Wenn die Auktion erfolgreich sein sollte, wird Richard Poncher in ein anderes Grab auf dem Friedhofsgelände verlegt. Er hatte damals von Joe DiMaggio gleich zwei Grabstätten gekauft. Elsie sagt: "Wenn meine Zeit gekommen ist, lasse ich mich einfach einäschern."