Unglück

Absturz 16 Minuten nach dem Start

Beim Absturz eines iranischen Tupolew-Passagierflugzeugs sind gestern alle 168 Insassen ums Leben gekommen. Die brennende Maschine russischen Typs der Caspian Airlines pflügte 16 Minuten nach dem Start in Teheran in ein Feld und zerschellte in Einzelteile, wie Bilder des staatlichen iranischen Fernsehens zeigten.

- Es war das schwerste Unglück im Iran seit sechs Jahren. Präsident Mahmud Ahmadinedschad kündigte Ermittlungen an.

Die halbamtliche Nachrichtenagentur ISNA zitierte einen Augenzeugen mit den Angaben, im Heck der Tupolew Tu-154 M sei vor dem Absturz ein Feuer ausgebrochen. Das Flugzeug habe gekreist, als ob die Piloten nach einem geeigneten Platz für eine Notlandung suchten. Der Chef des Luftsicherheitsdienstes in der armenischen Hauptstadt, Serob Karapetjan, sagte, es sei denkbar, dass der Pilot eine Notlandung versucht habe. Berichte über ein Feuer noch in der Luft seien "aber nur eine Version", sagte er.

An Bord des Fluges nach Eriwan waren 153 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder, teilte der stellvertretende Vorsitzende der armenischen Luftfahrtbehörde, Arsen Pogossjan, mit. Die meisten Passagiere waren demnach Iraner. Außerdem waren sechs Armenier und zwei Georgier an Bord. Auch acht Mitglieder der iranischen Judo-Jugendnationalmannschaft waren dem iranischen Fernsehen zufolge an Bord. Es wollte sich zusammen mit dem armenischen Team auf einen Wettkampf Anfang August in Ungarn vorbereiten, hieß es. Angehörige machten sich auf den Weg zur Absturzstelle. Bei Caspian Airlines habe er niemanden erreicht, deswegen sei er direkt zu dem Unglücksort gefahren, sagte der 24-jährige Iraner Alex, dessen Stiefschwester in der Maschine saß. "Doch hier bekomme ich auch keine Antworten." Auf dem Flughafen in Eriwan brachen Angehörige der Opfer in Tränen aus. Ahmadinedschad sprach den Angehörigen der Opfer und dem geistlichen Führer des Irans, Ayatollah Ali Chamenei sein Beileid aus. Das Unglück sei "eine herzzerreißende Tragödie". Bundespräsident Horst Köhler schickte ein Beileidstelegramm.

Die Absturzstelle liegt rund 120 Kilometer nordwestlich von Teheran bei Kaswin nahe dem Dorf Dschannat Abad. Nach Angaben der Rettungsdienste der Stadt ging das Flugzeug in Flammen auf und wurde vollständig zerstört. Das staatliche Fernsehen berichtete, alle Insassen seien ums Leben gekommen. In seinen Aufnahmen waren ein großer Teil des Flügels und ein tiefer Graben zu sehen, den das Flugzeug beim Aufprall in das Feld pflügte. Der größte Teil des Wracks schien in Teile zerschellt zu sein. Die Fluggesellschaft Caspian Airlines wurde 1993 als Joint-Venture des Irans und Russlands gegründet. Sie benutzt Flugzeuge russischer Bauart. Der Iran hat die relativ häufigen Flugzeugabstürze im Lande wiederholt auf die Wirtschaftssanktionen seitens der USA zurückgeführt, weil dadurch keine Ersatzteile für Flugzeuge beschafft werden könnten. Beobachtern zufolge trifft dies allerdings kaum auf russische Maschinen zu. Sie verweisen auf eine unzureichende Wartung der Flugzeuge: Im Februar 2003 kamen beim Absturz einer Iljuschin 76 im Südosten des Irans alle 302 Insassen ums Leben. 2006 kostete die Bruchlandung einer Tupolew 154 der Iran Airtour in Teheran 29 der 148 Insassen ums Leben. Beim Absturz einer weiteren Iran-Airtour-Tupolew 2002 im Gebirge im westlichen Iran kamen 199 Insassen ums Leben.

Auch die iranischen Streitkräfte sind von der Absturzserie betroffen: 2005 stürzte ein C-130-Transportflugzeug amerikanischer Bauart ein Hochhaus nahe des Teheraner Mehrabad-Flughafens, 115 Menschen kamen ums Leben. 2007 starben beim Absturz eines von Russland gelieferten Militärflugzeugs 36 Revolutionsgardisten.

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