Kriminalität

Wieder Körperverletzung in Jugendgefängnis

Im sächsischen Jugendgefängnis Regis-Breitingen, das durch einen Folterskandal in die Schlagzeilen kam, hat es einen weiteren Fall von Gewalt unter Gefangenen gegeben.

- Die Leipziger Staatsanwaltschaft habe am 7. April Anklage gegen drei Gefangene wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung erhoben, sagte ein Sprecher des Justizministeriums am Sonnabend in Dresden. Er bestätigte einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus". Danach soll ein 16-Jähriger, der bereits im Mai 2008 einen Mitgefangenen mehrfach gequält und beinahe ermordet hatte, zu den Beschuldigten gehören. Ministeriumssprecher Matthias Lau wies indes die Vorwürfe des Magazins, dass weitere Vorfälle verschwiegen worden seien, zurück.

Bei dem Angriff auf einen Mithäftling vom September 2008 habe es sich um eine Schlägerei gehandelt, die nicht zu vermeiden gewesen sei. Diese sei nach derzeitigem Kenntnisstand weder nach Dauer noch Intensität mit dem Folterskandal vom Mai 2008 vergleichbar. Damals sollen zwei Gefangene einen 18-jährigen Mithäftling geschlagen und versucht haben, ihn zum Selbstmord zu treiben sowie zu erdrosseln. Sie kommen wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Mordes vor Gericht. Insgesamt gibt es neun Tatverdächtige.

Bei dem Vorfall im September sollen drei Gefangene einen Mithäftling in ihrer Wohngruppe tätlich angegriffen haben, sagte Lau. "Focus" zufolge war auch der 16-Jährige beteiligt, der schon als einer der beiden Haupttäter an der Folterung im Mai 2008 beteiligt war. Der als äußerst brutal geltende Jugendliche habe erneut gegen einen Mitgefangenen Gewalt ausgeübt, ohne dass Gefängnisbeamte oder Anstaltsleitung etwas bemerkten.

Nach Angaben von Lau wurden Disziplinarmaßnahmen gegen die beschuldigten Gefangenen verhängt, nachdem sich das Opfer den Bediensteten offenbart hatte. Nach Aufklärung des Vorfalls erstattete die Anstaltsleitung im Oktober 2008 Anzeige. Justizminister Geert Mackenroth (CDU) habe diesen Fall aber bei seiner Pressekonferenz zum Folterskandal in der vergangenen Woche "verschwiegen", schreibt der "Focus".