Gewalt

"Leute wegklatschen" auf Klassenfahrt

Auf der Suche nach dem "Kick" haben Jugendliche aus der Schweiz auf Klassenabschlussfahrt in der Münchner Innenstadt innerhalb kürzester Zeit grundlos fünf Passanten brutal nieder geprügelt. Ein 46-jähriger Versicherungskaufmann wurde dabei am Mittwochabend so schwer am Kopf verletzt, dass noch nicht klar ist, ob er bleibende Schäden behält.

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Gestern erging gegen drei 16-jährige Schüler aus Zürich Haftbefehl. Ein 15-Jähriger und ein 17-Jähriger sind inzwischen wieder auf freiem Fuß, sie sollen nicht unmittelbar beteiligt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen versuchten Mordes. Einer der verhafteten 16-Jährigen ist Slowene, der 15-Jährige ist Portugiese. Ob auch der 17-Jährige einen Migrationshintergrund hat, war zunächst unklar.

Staatsanwalt Laurent Lafleur beschrieb die Prügeltour der alkoholisierten Zehntklässler, die teils auch Marihuana geraucht haben sollen, als eine Art "Amoklauf mit Faustschlägen und Fußtritten". Ersten Ermittlungen zufolge schlugen sie innerhalb von zehn Minuten auf insgesamt fünf Männer ein. Wie die teils geständigen Täter einräumten, attackierten sie zunächst drei Männer im Alter von ungefähr 60 Jahren auf mit Fausthieben. Dann zogen sie weiter und trafen auf den 46-Jährigen, der nach einem Geschäftsessen auf dem Weg zu seinem Hotel war. Einer der Jugendlichen schlug ihn unvermittelt nieder. Dann wurde er, obwohl er bereits am Boden lag, mehrfach mit den Füßen gegen den Kopf getreten. Danach flüchtete die Gruppe, Passanten alarmierten die Polizei. Das Opfer erlitt Brüche im Gesicht sowie eine Amnesie und liegt seither im Krankenhaus. "Der Mann wurde völlig grundlos angegriffen und konnte sich nicht einmal wehren. Er hätte sterben können", sagte Lafleur. Es habe davor keinerlei Streit oder Gespräch gegeben, betonte er. Erschreckend sei, dass das Motiv offensichtlich "Spaß" gewesen sei. Einer der Täter habe ausgesagt, sie hätten vorgehabt, "Leute wegzuklatschen", berichtete der Staatsanwalt. Und so prügelten sie auf der Flucht in ihr Jugendgästehaus in der Landwehrstraße nach Polizeiangaben noch einen 27-jährigen bulgarischen Studenten nieder. Er erlitt Hämatome im Gesicht und im Halsbereich.

Durch Zeugenbeschreibungen konnten die mutmaßlichen fünf Haupttäter der insgesamt sechs bis siebenköpfigen Gruppe schnell ausfindig gemacht werden. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen nach Angaben des Staatsanwalts bis zu zehn Jahre Jugendhaft. Für die Mitschüler, die eigentlich ihren Schulabschluss feiern wollten, endete der Ausflug in die bayerische Landeshauptstadt vorzeitig: Sie fuhren am Mittwoch zurück.

Die brutalen Angriffe erinnern an den Fall der Münchner U-Bahn-Schläger, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Zwei Jugendliche hatten kurz vor Weihnachten 2007 einen Rentner an einer U-Bahnstation nieder geprügelt und schwer verletzt liegengelassen. Der Mann hatte sie zuvor in der U-Bahn aufgefordert, die Zigarette auszumachen.