Terroropfer

72 Leichenteile auf Ground Zero gefunden

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Viktoria Unterreiner

Mit Vernunft und Logik hat Liebe nicht viel zu tun. So gibt es New Yorker, deren Freunde oder Partner sich am Morgen des 11. September 2001 auf den Weg zur Arbeit in das World Trade Center machten, die von ihnen nie wieder etwas hörten, und die doch nie Gewissheit bekamen.

Vielleicht, das ist das Quälende an der Hoffnung, sind sie gar nicht ins Büro gegangen, vielleicht haben sie ihr Gedächtnis verloren.

Ein paar dieser Betroffenen können nun die innere Ruhe finden, auf die sie fast neun Jahre gewartet haben. Helfer haben beim Durchsieben des Bauschutts 72 Leichenteile gefunden. Sie konnten teilweise Opfern zugeordnet werden, die bislang als vermisst galten. Offiziell geht man von mehr als 2600 Toten aus, die bei den Anschlägen ihr Leben verloren haben. Vor vier Jahren hat die Stadt New York auf Bitten der Angehörigen angefangen, die Trümmer erneut zu durchsuchen. 1800 Leichenteile sind dabei bislang aufgetaucht. Dieses Mal wurden besonders viele Leichenteile in Trümmerstücken der West Street entdeckt, der ehemals an der Westseite des Geländes vorbeiführenden Stadtautobahn.

Auf dem Ground Zero ist mittlerweile die größte Baustelle New Yorks entstanden. Arbeiter sind damit beschäftigt, die Entwürfe der Architekten Daniel Libeskind und David Childs umzusetzen oder besser gesagt das, was davon nach einem jahrelangen Streit mit Behörden und Geldgebern noch übrig ist. Nach bisherigem Stand der Planung ziehen die ersten Mieter in drei Jahren ein. Fünf Gebäude sollen dort entstehen, dazu ein Park mit 600 Bäumen, der an die Opfer der Terroranschläge erinnern soll. Zentrum des Ganzen wird das Gebäude One World Trade Center, das Libeskind in seiner ursprünglichen Planung noch als den Freedom Tower bezeichnet hatte. Bei diesem Wolkenkratzer wurde über so ziemlich alles gestritten. Nach der Fertigstellung soll One World Trade Center mit seinen 540 Metern das Empire State Building als das höchste Gebäude New Yorks ablösen.

Zwar ragen die ersten Geschosse bereits in die Höhe, doch bislang lebt die Lücke dort unten an der Südspitze Manhattans vor allem von der Fantasie der Leute, die über sie reden. Jeder New Yorker hat eine Geschichte zu erzählen, wo genau er war, als die Türme einstürzten. Ende des Jahres sollen 50 der insgesamt 104 Stockwerke von One World Trade Center gebaut sein. Ob es jemals die emotionale Lücke füllen kann, die das World Trade Center hinterlassen hat, ist fraglich.

Dabei hatten viele New Yorker zu den Zwillingstürmen selbst ein gespaltenes Verhältnis, solange sie noch standen. Wirklich schön fand sie keiner. Außer man war ganz oben auf ihnen drauf und blickte sie nicht an, sondern von ihnen herunter.