"Arnold, sag doch einfach ,se""

München - Arnold Schwarzenegger ist weltberühmt. Doch er wäre vielleicht nie das geworden, was er heute ist, wenn ein Mann ihm in den 60er Jahren in München nicht auf die Sprünge geholfen hätte: Der heute 60jährige Erfinder der Klappgitarre, Roger Field.

Der Brite hat 1968 dem Österreicher, der aus einem Provinznest bei Graz aufgebrochen war, um die Welt zu erobern, Englisch beigebracht. Offenbar mit Erfolg. Schwarzenegger ist heute Gouverneur im US-Staat Kalifornien. Nachdem er bekanntermaßen eine Riesenkarriere als Actionheld ("Conan, der Barbar", "Terminator") in Hollywood hingelegt hat.

"Arnold wußte schon damals, als 21jähriger, genau, was er wollte. Ich werde, der größte Schauspieler der Welt werden und du, Roger, wirst immer eine Null bleiben", erinnert sich Field. Eine großspurige Ohrfeige. "Eingebildet war er schon immer, der Arnold", weiß Field. Und ganz so ist es auch nicht gekommen. Field blieb keine Null. Er bringt es als Designer auf etwa 100 patentierte Erfindungen. Darunter die bereits erwähnte elektrische Klappgitarre, die schon Paul McCartney, Eric Clapton, Mick Jagger und andere Rockstars in ihren Händen hielten. Auch eine Sonnenblende für Filmkameras erfand Field. Mit etwa 775 Zeitungsporträts - man schrieb über ihn selbst in Rußland, Neuseeland, Südkorea, den Bahamas, Südafrika, Kalkutta, Nairobi und sogar auf den Fidschi-Inseln, will er ins "Guiness-Buch der Rekorde". "Mindestens eine halbe Milliarde Menschen haben schon über mich gelesen", erzählt Field stolz. Daß Schwarzenegger ihn 1968 eine Null genannt hat, wurmt ihn noch heute ein wenig.

Dabei verstanden sich die beiden zunächst wirklich gut. Schwarzenegger verdingte sich als Trainer in einem Fitneßstudio in München. Sein Körper war schon über und über muskelbepackt. Mit seinen auf 1,87 Meter verteilten 118 Kilogramm wirkte er in den 60er Jahren im Vergleich zu seinen Bodybuilding-Kollegen wie ein Schrank. Roger Field, der zu der Zeit eigentlich in Kalifornien Industriedesign studierte und seine Mutter in den Semesterferien in München besuchte, kannte Schwarzenegger bereits aus Bodybuilding-Illustrierten und war hoch erfreut, ihn über einen Bekannten kennenzulernen. Auch Field wollte Muskeln antrainieren. "Nicht gerade so wie Arnold, eher wie Sean Connery", erzählt er. Field unterrichtete Schwarzenegger in Englisch. Und Schwarzenegger gab Field dafür umsonst Tips, wie er zu einem Modellkörper gelangt. Und so ging es los. Roger ging jeden Tag ins Fitneßstudio zu Schwarzenegger, wo die beiden nach Herzenslust Gewichte stemmten. Schwarzenegger lud Field auch in seine Wohnung in der Christophstraße 1 ein. Zwecks Ernährungsberatung. "Arnold schwor auf Cornflakes mit rohen Eiern", so Field. Danach wurde Englisch gepaukt: Schwarzenegger war hochintelligent und lernte schnell - bis auf die Wörter mit "th" wie "the" oder "them" Arnold sagte "de" oder "den". "Es war zum Verzweifeln, er brachte es einfach nicht." Field lacht heute darüber. Nach wochenlangen "Arnold, sag mal the"-Übungen gab es Field auf. "Arnold, sag doch einfach "se' statt "the' wie die meisten Deutschen", will der improvisierte Sprachlehrer vorgeschlagen haben. Doch auch "se" wollte dem Muskelpaket nicht über die Lippen kommen. Schwarzenegger blieb bei "de" und rächte sich an Field, indem er den Engländer mit seinem türkisblauen Opel Rekord, Baujahr 1958, zu einer Spritztour über die Leopoldstraße einlud. "Arnold raste wie ein Verrückter mit Vollgas auf den Eingang der U-Bahnstation ,Münchner Freiheit' zu, zog die Handbremse und wendete seinen Opel mit qualmenden Reifen um 180 Grad. Mir wurde kotzübel". Danach fuhr Schwarzenegger an den Bürgersteig und zeigte den offensichtlich geschockten flanierenden Passanten durch das geöffnete Fenster seinen angespannten Bizeps. Field stieg mit wackligen Knien aus dem Auto aus. Von da an fuhr er, wenn überhaupt, bei Schwarzenegger nur noch auf der Rückbank mit. Es war der Anfang vom Ende einer kurzen Freundschaft. Der große Bruch kam bald. "Schwarzenegger wollte mit mir Frauen aufreißen. Es gab ja jede Menge Groupies. Zwei wollten es ganz genau wissen und kamen immer wieder", erinnert sich Field. "Doch ich machte nicht mit. Für Arnold bedeutete das Verrat. Er sprach nie wieder ein Wort mit mir."

Auch Field hatte seinen Stolz und ignorierte fortan Schwarzenegger. Der gewann kurz darauf zum zweiten den Titel des "Mister Universum" und ging in die USA. Field heiratete in Nordkalifornien. Vor mehr als drei Jahren zog er mit seiner amerikanischen Frau nach München.

Der Erfinder bedauert heute das überstürzte Ende der Männerfreundschaft. Field: "Arnold, falls du das hier liest, ruf doch mal an."