Vermischtes

Die Katastrophen der Wahrsager

Muntadar al-Zaidi, der Journalist, der seine Schuhe auf US-Präsident George W. Bush schleuderte, half einer Branche aus der Klemme, die stets zum Jahresende von sich Reden macht: Die Wahrsager. Da einige Sternendeuter für 2008 einen Anschlag auf Bush prognostiziert hatten, können die noch kurz vorm Zieleinlauf jetzt ein paar Punkte reklamieren - auch wenn die Sterne Bomben statt Schuhe angezeigt hatten.

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Prognosen für das nächste Jahr dürfen die Hellseher nun wieder anstellen, dass sich die Balken biegen. Und es ist Zeit zum Rückblick: Wie viele Prognosen für das auslaufende Jahr trafen eigentlich zu?

So gut wie keine. Die Bilanz der öffentlichen Vorhersagen sieht schlecht aus für 2008. Die "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) lässt es sich auch dieses Jahr nicht nehmen, die großen Nieten der Wahrsagerei aufzuzählen. So sahen die meisten Hellseher die Deutschen als Fußball-Europameister, die Spanier dagegen übersehen. Fast alle Sterndeuter hatten - wohl angefixt durch die düsteren Szenarien des UN-Klimaberichtes 2007 - die großen Naturkatastrophen im Visier. Die seien "der absolute Klassiker", meint die GWUP. Pech für die Zunft, dass auch 2008 hierbei kein ungewöhnliches Jahr war. Prognosen sind bekanntlich schwierig, besonders wenn sie in die Zukunft gehen.

Bisweilen geht es bei den Vorhersagen um viel Geld. Doch die drei Optionen für die Börse - auf, ab oder gleichbleibend - verteilten sich für 2008 entsprechend der Wahrscheinlichkeit, so dass der Crash logischerweise jedem Dritten Sterndeuter Recht gab.

Ohnedies sind die wenigsten der Vorhersagen so konkret wie "Attentat auf Bush" oder "Börse bewegt sich nach unten". In den allermeisten Fällen lässt sich mindestens Verschiedenes, wenn nicht gar Gegenläufiges aus den schwammigen Weißsagungen ablesen. Die Wahrsagerin Elizabeth Teissier reklamiert im Nachhinein, einst die Tschernobyl-Katastrophe, den Mauerfall, den Golfkrieg und sogar den 11. September - also alles - vorhergesagt zu haben. Ob aber jemand aus ihren vagen Hinweisen einst die konkreten Desaster herauslesen konnte? Wohl kaum.

Wer auf Sternengucker reinfällt, ist selbst Schuld, sollte man meinen. Doch die GWUP will, dass der Staat auch hier seiner Fürsorgepflicht nachkommt, und die Branche zu Warnhinweisen zwingt. Die EU verlangt es, die Briten praktizieren es bereits.

Schaun wir mal, dann sehn wir's ja. Oder auch nicht. Wie bei der Prognose für den großen Atomunfall in Russland, die mit dem entwaffnenden Zusatz versehen ist. "Wird aber vertuscht".