"Kater Oscar hilft Oma in den Himmel"

Wenn Kater Oscar im Altenheim am Patientenbett erscheint, weiß das Pflegepersonal, welche Stunde geschlagen hat.

Chicago - Wenn Kater Oscar im Altenheim am Patientenbett erscheint, weiß das Pflegepersonal, welche Stunde geschlagen hat. Das Tier scheint den unmittelbar bevorstehenden Tod von Menschen ankündigen zu können. In den vergangenen zwei Jahren sei "Oscar" in dem Altenheim von Providence im US-Bundesstaat Rhode Island zu mehr als 25 Demenzkranken gekommen, die nur wenige Stunden später verschieden seien, berichtet David Dosa von der Brown University in Providence im "New England Journal of Medicine".

"Der Kater erscheint nicht immer als Erster. Aber er schafft es fast immer und fast immer in den letzten zwei Stunden", sagte die Medizinprofessorin Joan Teno. Sie glaube nicht, dass der in dem Altersheim aufgezogene Oscar hellseherische Fähigkeiten habe. Es gebe für das Phänomen wahrscheinlich eine biochemische Erklärung. Für Kleintierexperten wie Thomas Graves von der University of Illinois sind Oscars Fähigkeiten nichts Außergewöhnliches. "Katzen können das", sagte der Veterinär. "Hunde und Katzen können wahrscheinlich Dinge erspüren, die wir nicht bemerken."

In einem der von Dosa geschilderten Fälle saß Oscar auf dem Bett einer alten Frau. Auf die Frage ihres Enkels, was die Katze tue, habe die Mutter geantwortet: "Er hilft Oma in den Himmel." Eine halbe Stunde später starb die Patientin.

Tiere als Therapiehilfe werden seit gut 20 Jahren in Altersheimen, aber auch bei psychisch Kranken und verhaltensauffälligen Kindern erfolgreich eingesetzt. Berühmt für ihre therapeutischen Fähigkeiten sind Delfine und Pferde. Beliebt im Alltag von Pflegeheimen sind jedoch Hunde, Katzen, Kaninchen und Kanarienvögel. Dabei geht es nicht allein darum, Menschen Gefährten an die Seite zu geben. Bei Demenzkranken kann allein das Streicheln eines Tieres die Nervenzellen stimulieren, die für die Informationsweiterleitung im Gehirn zuständig sind und bei Demenz langsam absterben. Dies haben wissenschaftliche Studien dokumentiert.

Als Pionier der tiergestützten Therapie gilt der amerikanische Psychologe Boris Levinson. 1961 kam eine Familie mit einem verhaltensauffälligen Sohn zu ihm. Zufällig hatte der Psychologe seinen Golden Retriever mit in der Praxis. Das zurückhaltende Kind ging auf den Hund zu und sprach mit ihm. Der Psychologe beobachtete, dass das Tier eine Art Katalysatorfunktion übernommen hatte, um das Kind zum Sprechen zu bringen. Levinson erkannte das Muster - heute ist seine Methode weltweit anerkannt. rtr/BM