Beckenbauer mit Eigentor zum Abschied

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Das folgenschwerste Eigentor in der Geschichte des Weltfußballs fiel am 22. Juni 1994 beim WM-Turnier in Amerika. Im Spiel gegen die USA bezwang der Kolumbianer Andres Escobar den eigenen Torwart. Kolumbien war aus dem Turnier ausgeschieden. Elf Tage später bezahlte Escobar sein unglückliches Tor mit dem Leben. Gedungene Killer des Drogenkartells sollen es gewesen sein, die den Spieler mit zwölf Schüssen niederstreckten.

Ein Eigentor, über das eigentlich alle nur lachten, fiel am 1. Juni 1982 im Hamburger Volksparkstadion. Franz Beckenbauer gab damals seinen Abschied aus der Bundesliga, bevor er nach Cosmos New York wechselte.

Ausgerechnet beim Spiel seines frisch gekürten (und offenbar noch vom Feiern angeschlagenen) deutschen Meisters HSV gegen die Nationalmannschaft fabrizierte der «Kaiser» ein wunderschönes Eigentor, das 0:3. Alles johlte. Die Hamburger verloren schließlich 2:4. Und natürlich war es Beckenbauer, der kurz vor dem Abpfiff auch noch einen Treffer für die eigene Mannschaft erzielte.

Der «Kaiser» im Glück. DFB-Präsident Hermann Neuberger beim Festbankett: «Franz Beckenbauer hat das Kunstvolle, das Schöne und das die Zuschauer Faszinierende beherrscht und sich als Vorbild von Zehntausenden um den internationalen Fußballsport sehr verdient gemacht.»

An Titeln, Auszeichnungen und Lobpreisungen hat es dem 1945 in München geborenen Sohn eines Postbeamten nie gefehlt: Weltmeister als Spieler und als Teamchef, Europameister, Pokalsieger, Fußballer des Jahrhunderts - eine Legende zu Lebzeiten.

Alles, was er anpackt, gelingt. Ihn umgibt die Aura des ewig Erfolgreichen. Er ist Kultfigur, eine Ikone der Neuzeit. Der Kabarettist Ottfried Fischer ist der Meinung, Beckenbauer sei der einzige, der für die PDS in Bayern ein Direktmandat holen könnte. Bayerische Politiker vertraten die Ansicht, Beckenbauer wäre auch ein guter Sportminister. Die Süddeutsche Zeitung kommentierte das so: «Natürlich - aber auch ein prima Papst, Blüm-Nachfolger, Dalai Lama, Greenpeace-Boss, UNO-Generalsekretär, Kaiser von China. . . »

Charme, Eloquenz, bayerische Gelassenheit («Schau'n mer mal»), gnadenlose Perfektion und weltläufig daherkommende Flexibilität sind die Stärken der «Lichtgestalt». Sein moralisches Vorbild ist denn auch ziemlich weit oben angesiedelt - Jesus Christus!

Gleichwohl ist und bleibt er ein Lieblingskind des Schicksals. Seitdem es ihm gelang, die WM 2006 nach Deutschland zu holen, hat sein Ruhm Unsterblichkeit erlangt.

Der Vater von drei erwachsenen Söhnen, in zweiter Ehe verheiratet, kümmert sich auch selbstlos um den Nachwuchs: Nach der Weihnachtsfeier des FC Bayern vor zwei Jahren vertiefte er seine Beziehung zu einer Vereinssekretärin. . .

Neun Monate später bekam sie einen kleinen Kaiser namens Johann.

Beckenbauer zu seinem Seitensprung: «So groß ist das Verbrechen auch nicht. Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.» Die Freude von Gattin Sybille soll sich in Grenzen gehalten haben.

So isser, der Franz.