Justiz

Milde Strafe für kriminellen Pfarrer

Der vor dem Freiburger Landgericht wegen Betrugs, Körperverletzung und Erpressung angeklagte katholische Priester wird eine Bewährungsstrafe erhalten. Darauf einigten sich gestern die Prozessbeteiligten in einer sogenannten verfahrensbeendenden Verständigung.

-

Das Gericht sagte darin zu, bei dem in der kommenden Woche erwarteten Urteil das Strafmaß von zwei Jahren Haft auf Bewährung nicht zu überschreiten. Im Gegenzug legte der angeklagte Frank B. ein Geständnis ab und verpflichtete sich, der Hauptgeschädigten und Nebenklägerin 70 000 Euro Entschädigung zu zahlen. "Ich habe geschlagen, gelogen und betrogen", sagte der Pfarrer. Frank B. hatte laut Anklageschrift über mehrere Jahre hinweg mehrere Frauen und die Erzdiözese Freiburg um mehr als 200 000 Euro betrogen. Anders als von ihm behauptet, verwendete er das Geld nicht für wohltätige Zwecke oder für medizinische Behandlungen, sondern für seine luxuriöse Lebensführung.

Genaues Strafmaß folgt noch

Den Opfern sagte er, er benötige das Geld für seinen schwer kranken Bruder. In Wirklichkeit, so räumte er ein, behielt er es für sich. Anderen erzählte er, er habe ein Krebsleiden und müsse behandelt werden. Um Geld einzutreiben, erschien der Mann auch im Pfarrergewand, berichtet Staatsanwalt Dietrich Bezzel.

Der Angeklagte bat die Klägerin um Verzeihung. "Es tut mir von Herzen leid, dass ich dich geschlagen habe und dass du so viel erleiden musstest." Die wiederholten Schläge gegen die Frau seien unentschuldbar und ließen ihn große Scham empfinden. Der Geistliche räumte in einer vorgelesenen Erklärung ein, die Nebenklägerin zudem unter Druck gesetzt und finanziell ausgenutzt zu haben.

Zugleich betonte Frank B., dass er durch sein Verhalten dem "Priesterberuf, der Erzdiözese und der ganzen katholischen Kirche" großen Schaden zugefügt habe. Durch sein Verhalten sei viel Vertrauen zerstört worden. Seine Taten würden ihn in seinem gesamten weiteren Leben beschäftigen, so der 39-Jährige. Er habe die Gläubigen enttäuscht. "Ich kann nur hoffen, dass die Menschen, die ich verletzt habe, irgendwann für mich beten." Die Kirche habe er unter Vorspiegelung falscher Tatsachen um große Summen gebracht.

Um den Kompromiss war hinter den Kulissen lange und heftig gestritten worden. "Wir wollen ein faires Urteil. Und wir wollten, dass unser Mandant eine Chance erhält", sagt Verteidiger Ferdinand Gillmeister. Der Pfarrer selbst sagt, dass er künftig wieder für die katholische Kirche arbeiten will. Ob ihm die Hand gereicht wird, ist offen. Die Erzdiözese Freiburg wollte sich zu dem Gerichtsverfahren nicht äußern.

Die Plädoyers werden am kommenden Dienstag gehalten. Das Urteil, in dem das genaue Strafmaß festgesetzt wird, soll am 17. Oktober verkündet werden. Das Erzbistum wird dann entscheiden, wie die Kirchenleitung mit dem Priester umgehen will.

Weitere Meldungen aus aller Welt unter morgenpost.de/vermischtes