Medizin-Nobelpreis für Forschung zum Zelltod

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Claudia Ehrenstein

Berlin - Erst der Zelltod macht das Leben möglich. Jede Zelle trägt in sich das genetische Programm zur Selbstvernichtung, der so genannten Apoptose. Die beiden Briten Sydney Brenner und Sir John E. Sulston sowie ihr US-Kollege H. Robert Horvitz haben diesen Prozess erforscht. Sie wurden dafür jetzt mit dem Nobelpreis für Medizin 2002 geehrt.

Die Apoptose gewährleistet ein kontrolliertes Zellwachstum und stellt sicher, dass sich nicht mehr neue Zellen bilden, als absterben. Eine Störung dieses Gleichgewichts führt zu einer Krankheit. Bei so genannten Autoimmunkrankheiten sterben mehr Zellen ab, als ersetzt werden. Ist das Selbstmordprogramm dagegen ausgeschaltet, entsteht Krebs.

Die Forschungen der drei Nobelpreisträger seien bedeutend für die Medizin, so die Begründung des Nobelpreiskomitees. Sie seien wichtig für die Entwicklung von Medikamenten, die den Zelltod je nach Krankheit verhindern oder hervorrufen. Professor Peter Krammer, Apoptoseforscher am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg, hält die Entscheidung für eine «hervorragende Wahl».

Im Mittelpunkt der jetzt gewürdigten Forschungsarbeiten steht der Fadenwurm Caenorhabditis elegans. Brenner hatte in den sechziger Jahren mit den Forschungen an diesem winzigen Tier begonnen. Er etablierte C.elegans als einen leicht zu verstehenden Modellorganismus, um komplexe genetische Prozesse zu erforschen.

Sulston hat einen Stammbaum für alle 959 Körperzellen des Fadenwurms aufgestellt. Nachdem Anfang der siebziger Jahre die Apoptose als eigenständig kontrolliertes Programm der Zellen erkannt und beschrieben worden war, identifizierte Sulston fünf Jahre später bei C.elegans die ersten Gene, die für die Apoptose verantwortlich sind.

Es war Horvitz, der die Forscherwelt mit dem Nachweis überraschte, dass die Entwicklung eines Organismus von dem ständigen Verlust einer beachtlichen Zahl von Körperzellen durch Apoptose abhängt.

Der Forscher hat im Detail die Prozesse entschlüsselt, die bei dem Fadenwurm C.elegans den Zellselbstmord auslösen. Damit hat er die Grundlagen gelegt, um diese Signalwege auch bei höheren Organismen zu verstehen - und damit die Ursache von zahlreichen Krankheiten.