Mädchen-Entführung vereitelt

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Kuchen - Ein dreifacher Mörder soll in Kuchen nahe Stuttgart versucht haben, ein 17 Jahre altes Mädchen zu entführen. Der Täter flüchtete jedoch, als sich das Opfer heftig zur Wehr setzte. Die Polizei nahm den 30 Jahre alten Tatverdächtigen am Donnerstagabend fest. Der Mann war erst im Januar aus dem Gefängnis entlassen worden. «Wegen dreifachen Mordes hatte der Mann fast zehn Jahre in Haft gesessen», sagte Kriminaldirektor Manfred Krause gestern in Göppingen.

Den Ermittlungen zufolge wollte der aus Ludwigsburg stammende Mann das Mädchen am Donnerstag in sein Auto zerren. Er habe das Opfer gewürgt und mit einem Messer angegriffen. Das Mädchen erlitt dabei Schnittverletzungen am Oberschenkel und an der Hand. Nach ambulanter Behandlung war sie am Freitag wieder zu Hause bei ihren Eltern.

Knapp 90 Minuten nach der versuchten Entführung wurde der Mann in Süßen bei Göppingen von einer Polizeistreife gestellt. «Die Motivation und die Absichten sind noch zu ermitteln», sagte der Ulmer Oberstaatsanwalt Wolfgang Zieher.

Krause schloss nicht aus, dass der Angriff spontan erfolgte. Bisher habe der Festgenommene nur zugegeben, das Mädchen nach der Uhrzeit gefragt zu haben. Außerdem habe er ausgesagt, an einer Straße ein Messer aus seinem Auto geworfen zu haben. Das Messer sei aber von den Beamten noch nicht gefunden worden.

Der Mann war im Juni 1993 vom Landgericht Mannheim zu der nach dem Jugendstrafrecht höchsten Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt worden. Das Gericht hielt den damals 21-Jährigen für schuldig, am 13. November 1992 in Brühl eine 17 Jahre alte Schülerin aus sexuellen Motiven erstochen und zur Verdeckung der Tat auch die 48 Jahre alte Mutter und die 20-jährige Schwester des Mädchens getötet zu haben.

Wie das Gericht während des Strafprozesses damals feststellte, hatte der zur Tatzeit 20-Jährige sexuelle Kontakte mit dem Mädchen geplant und dabei auch Gewalt einkalkuliert. Denn: Er habe sich mit einem Messer und einer Gaspistole bewaffnet und mit Kondomen versorgt. Das Mädchen habe sich aber vehement gegen die aggressiven Zudringlichkeiten des jungen Mannes gewehrt. Deshalb habe der Angeklagte beschlossen, die 17-Jährige zu töten und sich dann an ihr zu vergehen.

Als er Mutter und Schwester aus dem Keller des Hauses in die Wohnung zurückkommen hörte, habe er sie mit dem Kampfmesser getötet.

Das Gericht schloss damals eine schwere seelische Abartigkeit, die eine verminderte Schuldfähigkeit begründen könnte, aus. Der Angeklagte sei voll für seine Tat verantwortlich.

Da er in seiner Reifung aber stark zurückgeblieben und eine Nachreifung nicht völlig auszuschließen sei, so das Gericht, wurde er als Heranwachsender und nicht als Erwachsener, dem eine lebenslange Strafe gedroht hätte, verurteilt. Die Jugendstrafe von zehn Jahren hatte er nun verbüßt und war entsprechend auf freien Fuß gesetzt worden. dpa