Ein Volksheiliger wird ausgegraben

2008 jährt sich der Tod des italienischen Volksheiligen Pater Pio zum 40. Mal. Von April an soll sein Leichnam deshalb im süditalienischen San Giovanni Rotondo aufgebahrt werden.

Rom - 2008 jährt sich der Tod des italienischen Volksheiligen Pater Pio zum 40. Mal. Von April an soll sein Leichnam deshalb im süditalienischen San Giovanni Rotondo aufgebahrt werden. Das kündigte Erzbischof Domenico Umberto D'Ambrosio an, der für die Wallfahrtskirche des Kapuziners zuständig ist. Zuvor müsse man allerdings der Zustand der sterblichen Überreste überprüfen, um deren Konservierung nicht zu gefährden, sagte der Vatikan-Beauftragte.

Kritiker werfen dem Erzbischof Geschäftemacherei vor. Auch aus der Kirche wurde in der Vergangenheit Kritik an der Kommerzialisierung des populären Heiligen laut. 2004 war die gigantische Wallfahrtskirche San Giovanni Rotondo nach Entwürfen des Stararchitekten Renzo Piano eröffnet worden. San Giovanni Rotondo gilt als meistbesuchtes Pilgerzentrum Europas, sieben Millionen Menschen kommen jährlich - zwei Millionen mehr als nach Lourdes. In ganz Süditalien blüht der Handel mit Pater-Pio-Devotionalien - der Ort in der Nähe von Foggia in Apulien trägt den Spitznamen "Las Vegas Süditaliens".

Mitte Dezember hatten Pater-Pio-Anhänger mit einem "Volksaufstand" gedroht, falls der Kapuziner von seinem selbst gewählten Begräbnisort in der Krypta der Pilgerkirche "Santa Maria delle Grazie" entfernt würde. Nun ,versicherte der Erzbischof: Eine Umbettung in Renzo Pianos Riesenkirche San Giovanni Rotondo werde es nicht geben. Nach der Aufbahrung des Heiligen für einige Monate werde der Pater wieder dort bestattet, wo er bisher auch liege.

Wenn der Sarg des Heiligen Paters nun erstmals geöffnet wird, soll dieses Ereignis zugleich an die erste Erscheinung seiner Stigmata vor 90 Jahren erinnern. Die blutenden Kreuzesmale an Händen, Brust und Füßen machten den süditalienischen Ordensmann aus Pietrelcina weltberühmt. Dem Wunderglauben können auch Kritiker nichts anhaben wie etwa der Historiker Sergio Luzzatto: 2007 stellte er in einem Buch die Theorie auf, jene Wundmale seien möglicherweise nur durch ätzende Tinkturen aus der Apotheke herbeigeführt worden. KNA/uk