Die Gallier feierten riesige Orgien

Clermont-Ferrand/Paris - Wein und Cervisia sind in Strömen geflossen - jedenfalls haben die Gallier im Herzen Frankreichs wirklich Saufgelage gefeiert wie beim legendären Comic-Helden Asterix. Dafür haben französische und Schweizer Archäologen jetzt nahe der Ortschaft Corent in der Auvergne eindeutige Beweise gefunden.

Unter Leitung des Archäologieprofessors Matthieu Poux von der Universität Lausanne entdeckten die Experten bei ihren Ausgrabungen eine bedeutende Kultstätte mit Amphorenscherben aus der Zeit vor der römischen Invasion (um 50 vor Christus).

Anstelle der Gebeine genussvoll verspeister Wildschweine förderten die Archäologen in Corent vor allem die sterblichen Überreste von Schafen zu Tage: Schädel- und Kieferknochen. "Die gefundenen Nahrungsreste, aber auch die Tausenden von Amphorenscherben weisen direkt auf die kultische Nutzung der Stätte hin", betont Ausgrabungsleiter Poux. Einige Hektoliter Wein mögen da durch die durstigen Kehlen der Gallier geflossen sein, für die Zahl von Hunderten Bankettgästen sprechen auch die Reste vieler - teils geopferter und teils gegessener - Tiere. Dass daneben auch menschliche Totenschädel, Pferdeknochen und Waffen gefunden wurden, ist für die Forscher ein weiterer Beweis:

"Wir haben es mit einem gallischen Heiligtum aus dem zweiten oder ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zu tun", bestätigt Vincent Guichard, der Direktor des auf die alten Kelten spezialisierten Archäologiezentrums in Mont-Beuvray. Für die Gallier-Forscher sind die Ähnlichkeiten mit den liebevoll nachempfundenden Abenteuern des Zeichentrick-Schnauzbartes Asterix weniger frappierend als die Parallelen zu den historischen Überlieferungen. "Durch die Archäologie nimmt heute die Sage vom Averner-König Luern Gestalt an", freut sich Poux. Der Averner-König Luern, dessen historisches Vorbild in der zweiten Hälfte des vorchristlichen Jahrhunderts gelebt haben dürfte, soll auf seinem Karren durch das Reich gezogen sein, das Reitervolk mit Goldstücken belohnt und zu riesigen Gelagen aufgefordert haben. Die größten bislang entdeckten Opferstätten der Gallier liegen in Gournay-sur-Aronde und Ribemont-sur-Ancre. Dort gab es "sehr große Versammlungen" betont Guichard, "Banketts und Zechgelage, da gibt es keinen Zweifel!" AFP