Ausland

Ägypter ziehen Zaun um Pyramiden

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Wer die Pyramiden von Giseh schon einmal besucht hat, kennt die Szene bestens: Händler verfolgen Touristen auf Schritt und Tritt, um ihnen Souvenirs zu verkaufen. Kameltreiber bestehen darauf, dass man auf ihren Tieren reiten sollte, und Möchtegern-Reiseführer meinen, einem alles zeigen zu müssen, was man auch selbst sehen kann.

- Aber damit soll bald Schluss sein. Die ägyptische Behörde für Altertümer hat jetzt einen Plan vorgestellt, das Gelände zu umzäunen und sicherer sowie touristenfreundlicher zu machen.

"Das war hier ein Affentheater", sagte der ägyptische Chefarchäologe Sahi Hawass bei der Präsentation der vorgesehenen Einrichtungen. "Künftig werden wir sowohl die antiken Monumente als auch ihre Besucher besser schützen." Demnach soll das riesige Wüstengelände südlich von Kairo von einem fast 20 Kilometer langen Metallzaun gesichert werden, der mit Infrarot-Sensoren und Bewegungsmeldern ausgestattet ist.

Kameras und Metalldetektoren

Der Zutritt soll durch ein neues Eingangsgebäude erfolgen. Darin müssen die Besucher durch Metalldetektoren gehen und ihr Gepäck durch Röntgengeräte laufen lassen, bevor sie durch Sicherheitstore auf das Gelände gelangen. Dort werden ihre Schritte von rund 200 Beobachtungskameras überwacht.

Bislang musste man zwar Eintritt bezahlen, um die Pyramiden selbst zu betreten, doch im Umkreis der 5000 Jahre alten Weltwunder der Antike war der Besuch frei. Dort findet man die berühmte Sphinx sowie zahlreiche Grabanlagen. Der Spaß, auf eigene Faust herumzustreunen, wurde so manchem Touristen allerdings vergällt von aufdringlichen Händlern. In den vergangenen Jahrzehnten sind unweit der Pyramiden immer neue Wohnviertel entstanden, meist Slums, und deren Bewohner erhoffen sich, einen Teil der ägyptischen Tourismuseinnahmen abzubekommen.

Wie Chefarchäologe Hawass betont, gilt es allerdings auch, die Pyramiden selbst besser zu schützen. Bis in die 70er-Jahre war es für viele Touristen ein Sport, bis auf die Spitze der rund 140 Meter hohen Cheops-Pyramide zu klettern, der ältesten und größten in Giseh. Gelegentlich gab es dabei tödliche Unfälle, insbesondere wenn ein Kletterer betrunken war. Auch nachdem dies verboten war, gab es immer noch Touristen, die sich in den Steinen verewigen wollten. Dies soll nun ebenfalls ein Ende haben.

Für einige Händler brechen damit allerdings harte Zeiten an. "Ich arbeite hier seit 25 Jahren", klagt ein verzweifelter Souvenirverkäufer. "Ich habe eine Frau und fünf Kinder, wovon sollen wir jetzt leben?" Der Generaldirektor der Anlage, Kamal Wahid, erklärt, man werde eine Übergangslösung finden. So werde es auch noch spezielle Abschnitte für Kamelritte geben.

Und damit soll den Behörden zufolge auch die Sicherheit verbessert werden. Seit dem blutigen Anschlag islamischer Fundamentalisten auf Touristen in Luxor 1997, als im Tempel der Hatschepsut mehr als 60 Menschen getötet wurden, sind die Sicherheitsvorkehrungen in Ägypten massiv verschärft worden. Doch ausgerechnet an den viel besuchten Pyramiden war davon bislang nicht viel zu spüren. Nun sollen laut Hawass zudem die gastronomischen und sanitären Einrichtungen verbessert werden.

Individualtouristen fragen sich indessen, wie frei sie sich wohl künftig noch über das Gelände bewegen dürfen. Ramish Bissoon, ein Lehrer aus Trinidad, betont, dass er sich schon jetzt völlig sicher fühle, es seien bereits heute genügend Polizisten zur Bewachung da.