Urteil

Freispruch nach acht Jahren

Nach acht Jahren Haft und der Aufhebung seines Urteils wegen Mordes an einer TV-Moderatorin hofft ein 48-jähriger Brite nun auf eine hohe Entschädigung. Zudem kann der Arbeitslose Barry George zwischen lukrativen Angeboten für die Veröffentlichung seiner Story wählen. Für die Haftjahre könne er - gemessen an früheren Entschädigungszahlungen - mit mehr als einer Million Pfund (1,3 Millionen Euro) rechnen, berichtete die "Times".

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Der von Waffen und Prominenten faszinierte Barry George, der unter Epilepsie leidet und als geistig zurückgeblieben gilt, war 2001 schuldig befunden worden, die attraktive Jill Dando vor deren Haus in London getötet zu haben. Dando hatte beim Sender BBC die populäre Show "Crimewatch" moderiert, die britische Variante von "Aktenzeichen XY... ungelöst". Entsetzen löste vor allem die kaltblütige Art ihrer Ermordung aus, die einer Hinrichtung gleichkam: Der Täter schoss der 37-Jährigen aus nächster Nähe in den Kopf. Hauptindiz für die Verurteilung Georges war eine winzige Menge Schießpulver, die in einer seiner Taschen gefunden worden war, und die identisch mit der tödlichen Kugel war. Ein Motiv konnte dem damals 41-Jährigen nicht nachgewiesen werden.

Mitarbeiter von Scotland Yard kritisierten die Aufhebung des Urteils. Es seien damals bei den einjährigen Ermittlungen Hunderte Menschen befragt und etliche Spezialuntersuchungen angestellt worden, erklärten sie. Nun sei der Freispruch nach nur acht Stunden Beratung einer Geschworenen-Jury erfolgt, die kaum alle Fakten geprüft haben könne.