Und plötzlich ist der Schmerz weg

Bereits mit 30 Jahren hatte die jetzt 39-jährige Regine Hartmann ihren ersten Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich. Schmerzmittel, Massagen, Physiotherapie, Chirotherapie: Nichts half dauerhaft. Nach zwei Jahren stand sie kurz davor, ihren Beruf aufzugeben, da die Belastungen vor allem durch langes Sitzen am Schreibtisch immer wieder zu quälenden Schmerzen führten.

Doch dann erfuhr die Berlinerin von einer Therapie, die starke Verspannungen durch eine Druckbehandlung auflöst. Bei dieser so genannten Trigger- und Fazienmethode werden Verhärtungen in der Rückenmuskulatur gelöst sowie Verdrehungen im Muskelhüllgewebe geglättet. Dabei benutzt der Behandler ein kleines Gerät, um den Druck seiner Hand auf den Rücken zu übertragen.

«Trigger sind Verdickungen von Muskelfasern, die man als Knoten oder harte Stränge ertasten kann», erklärt Dr. Lutz Jennerjahn, Facharzt für Chirurgie am Ifarus-Rehazentrum in Berlin. «Die Trigger treten häufig in Verbindung mit Verdrehungen des Muskelhüllgewebes, der so genannten Fazien, auf», sagt der Rückenspezialist. «Zusammen sind das die Auslöser vieler Muskelverspannungen.»

Die durch Verspannungen verkürzten Muskeln ziehen dann an den mit ihnen verbundenen Knochen. So kommt es zu einer steil gestellten Wirbelsäule und zu fehlbelasteten Gelenken. Die Folgen können Arthrose, Bandscheibenschäden, Gelenk- und Wirbelsäulenschäden sowie Blockaden oder schmerzhafte Verkrümmungen der Wirbel sein.

«Durch die Auflösung von mitunter schon seit Jahren bestehenden Triggern und Fazienverdrehungen kann ich auch chronische Schmerzprobleme erfolgreich therapieren», sagt Jennerjahn. Nach seiner Schätzung werden fast 90 Prozent der Patienten nach Beendigung der Therapie schmerzfrei entlassen.

Auch Hans Henning Fries, Betriebsarzt beim Mineralölkonzern BP in Hamburg, schwört auf die Methode. «Die Berufsgenossenschaften erkennen die Triggermethode inzwischen als Therapie an und übernehmen deshalb auch die Behandlungskosten», erklärt Fries. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten bislang jedoch noch nicht.

Oberarzt Dr. Andreas Weiler vom Berliner Uniklinikum Charité (Campus Virchow-Klinikum) hat schon viele Patienten zu seinem Kollegen Lutz Jennerjahn geschickt. «Vor allem bei Problemfällen mit Verspannungen an der Schulter und Gelenkschäden durch Unfälle oder degenerative Veränderungen haben wir mit der Trigger- und Fazientherapie äußerst positive Erfahrungen gemacht», sagt der Arzt für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie.

Allerdings hat die Trigger-Methode einen Nachteil: Sie tut weh. Wenn Jennerjahn auf die Muskelverdickungen drückt, schreien die meisten Patienten vor Schmerz auf. Doch heiligt der Zweck die Mittel, sagen die Therapeuten und auch die meisten Patienten. Der Behandlungserfolg wiege den Schmerz um ein Vielfaches auf. Dieser Meinung ist auch der Kabarettist Dieter Hildebrandt, der von dauerhaftem Rückenschmerz gequält schon fast seinen Humor verloren haben soll. Doch in der Ärztezeitschrift «Orthopress» berichtet er: «Es war für mich wie das Aufstoßen einer Himmelstür: Auf einmal war ich schmerzfrei.»

Weitere Infos: Ambulante Brandenburgische Rehabilitation (ABR), Ifarus-Rehazentrum Berlin, Tel.: 030/80 48 71 13; ABR GmbH Bernau, Tel.: 033 38/75 43 63.