Das süße Nichts für Sonnenfans

Hoch lebe das "hübsche Nichts", in dem es sich prima sonnen und baden läßt! Der Bikini wird in diesem Jahr 60 - die Grenze jugendlichen Alters ist bei ihm damit längst überschritten, er ist also kein Newcomer mehr in der Modewelt, sondern inzwischen ein veritabler Klassiker.

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Hoch lebe das "hübsche Nichts", in dem es sich prima sonnen und baden läßt! Der Bikini wird in diesem Jahr 60 - die Grenze jugendlichen Alters ist bei ihm damit längst überschritten, er ist also kein Newcomer mehr in der Modewelt, sondern inzwischen ein veritabler Klassiker. Jedes Jahr stellen die Designer neue modische Varianten vor.

Die knappen Teilchen fehlen an keinem Badesee und an keinem Strand - überall auf der Welt. Viel unbedeckte Haut und doch nicht splitternackt: So läßt sich schönes Wetter ungeniert genießen. Kein Wunder, daß Sonnenanbeterinnen und Badenixen liebend gern in die Bikini-Teile schlüpfen. Und siehe da! Selbst bei dem bißchen Stoff gibt es Unterschiede. Wie beim über die Jahrzehnte wechselnden Auf und Ab der Rocksäume bedeckt auch der Bikini mal ein bißchen mehr, mal ein bißchen weniger.

Die Trends und Vorlieben wechseln. Gerade angesichts seiner aktuellen Vielfalt kommt eigentlich niemand an ihm vorbei. In dezenter Einfarbigkeit oder in kunterbuntem Druck, schlicht oder alternativ mit Rüschen, neuerdings auch mit glitzernden Perlen und Pailletten bestickt, mit dekorativen Schnallen oder Ringen ausstaffiert - Badenixen haben inzwischen die Qual der Wahl.

Und doch hat das Diktat der Mode seine Grenzen, die jede Frau nach ihrem individuellen Typ und eigener Figur setzen muß. Denn ein weißer oder cremefarbener Bikini wirkt nun mal nicht an einer Blondine mit kalkweißem Teint. Und grob gemusterter, knalleng sitzender Stoff betont üppige Rundungen einer Rubens-Figur in der Regel sehr unvorteilhaft.

Beim der Kollektion dieser Saison geht der Trend eher zur Auffälligkeit. In leuchtenden Farben strahlen die Zweiteiler mit der Sonne um die Wette. Grafische Muster, knallige Tupfen, exotischer Ethno-Touch oder kräftige Blumen-Prints sind alles andere als zurückhaltend, prägen aber deutlich den aktuellen Bikini-Look. Wer lieber Streifen trägt, kann zwischen schmalen und breiten, Längs- und Querstreifen wählen, die je nach Anordnung die Figur betonen.

Apropos: Nicht zuletzt bestimmt der Schnitt des Badekostüms, ob und welche Körperpartien besonders akzentuiert werden. Mit ein bißchen Geschick lassen sich figürliche Schwachpunkte sogar leicht kaschieren. Glücklicherweise gibt es dafür inzwischen eine stattliche Auswahl an Bikini-Formen. Einheitsware ist passé. Selbst Oberteil und Hose sind zum Teil individuell kombinierbar. Einen sexy String oder den züchtigeren Hot-Pant? Dazu Bügel-, Triangel-, oder doch lieber der gepushte BH? Ein Bandeau-Top oder ein Bustier?

Oder vielleicht doch besser etwas mehr Stoff in Form eines Tankini, der als Bikini-Neuling Furore macht? Letztere gibt es als knackig enge Variante, die wie ein knappes Hemd in Nabelhöhe endet. Luftig ist der weite Tankini, der in figurumschmeichelnder A-Form komplett den Bauch bedeckt.

Wer dem verführerischen Bikini-Original von 1946 treu bleiben will, greift zu den kleinen Stoff-Dreiecken, die nur von Schnüren zusammengehalten werden. Die erregten vor 60 Jahren die Gemüter, trieben Kirchenväter auf die Barrikaden und heizten die Diskussion um den vermeintlichen Sittenverfall an. Die Franzosen Louis Réard und Jacques Heim hatten nahezu zeitgleich das kleinste Schwimmkostüm der Welt herausgebracht. Réard schickte das Model Micheline Bernardi am 5. Juli 1946 mit vier winzigen Stoffdreiecken bekleidet über den Pariser Laufsteg - wenige Tage nach dem Abwurf der ersten Atombombe der Nachkriegszeit über dem Bikini-Atoll. Der Name war Programm: Bikini wurde also das neue Kleidungsstück genannt.

Und es machte seinem Namen alle Ehre. Es hatte explosive Wirkung. Die Filmszene entdeckte den Bikini für sich und trug damit sicherlich zu dessen kometenhafter Karriere bei. Brigitte Bardot erregte damit Aufsehen. Und beim ersten James-Bond-Film "Dr. No" entstieg Ursula Andress im cremefarbenen Baumwoll-Bikini, in dessen breitem Gürtel ein Messer steckte, den Meereswogen. Diese Szene von 1962 bescherte Andress Filmerfolg und sorgte für eine sprunghafte Verbreitung des Textilstücks.

Dies war nicht immer gern gesehen! Denn noch im Jahr 1965 wurde eine Münchner Schülerin vor Gericht zu sechs Tagen Putzen im Altersheim verurteilt. Das Mädchen soll seine Begeisterung für die flotte Badeklamotte übertrieben haben und spazierte spärlich mit einem Bikini bekleidet über den Viktualienmarkt. Was für ein Wirbel! Und das, obwohl es dem Bikini ähnliche Zweiteiler schon lange vorher gegeben haben soll. Dies belegen antike Wandmalereien und ein antikes Mosaik aus dem 4. Jahrhundert nach Christus, wie sie etwa im sizilianischen Bergstädtchen Piazza Armerina entdeckt wurden. Auf einem Bild sollen zum Beispiel neun der zehn dargestellten römischen Sportschönheiten im Bikini-Stil bekleidet gewesen sein.

Am freizügigen Blick auf den weiblichen Körper scheiden sich nach wie vor die Geister. Vielleicht weil Badekleidung heute "nichts weiter als verpackter Sex" ist, wie der englische Top-Fotograf David Rankin meint. Doch mal ehrlich: Was wäre ein Strandurlaub ohne dieses "Nichts", von dem frau am liebsten gleich mehrere in den Koffer stopft? Allein der Anblick vermittelt Sommer-Feeling. So bleibt der Bikini wohl auch weiterhin gefragtes Objekt der Begierde. Dank kreativer Bademoden-Designer, die immer wieder an raffinierten Kollektionen mit ausgefeilter Schnittführung tüfteln. Damit die zauberhafte Wirkung nicht baden geht!

Zum Weiterlesen

Beate Berger: "Bikini. Eine Enthüllungsgeschichte", Marebuchverlag, 272 S., 9,90 Euro.

Werner Timm: "Vom Badehemd zum Bikini. Bademode und Badeleben im Wandel der Zeiten", Husum Verlag, 160 S., 4,95 Euro