Tips von Morgenpost- Mitarbeiter Dirk Krampitz

Cocktail-Laune

Im "Goldfisch" tut abstürzen nicht weh. Ob in der "Kuschelecke" im "Séparée" oder im vorderen Raum - alles ist gepolstert, selbst der Handlauf an der Bar ist aus Leder.

Die Simon-Dach-Straße ist inzwischen zu einem sehr uniformierten Trampelpfad durch die Friedrichshainer Szene geworden. Doch glücklicher Weise gibt es nur wenige Meter davon entfernt wunderbar eigenwillige Bars wie den Goldfisch. Das Ambiente zeigt sich im roten Licht, Tapete im Retro-Design, daneben goldene Backsteine und 35 laufende Meter beiges Ledersofa. Die Preise für Cocktails liegen meist zwischen 5 Euro (Caipirinha) und 6,50 Euro (Mojito). Von den 120 Mischgetränken sind die knappe Hälfte Eigenkreationen wie der fruchtige "Ubilam" aus Zitrone und Maracujasaft.

Goldfisch, Grünberger Str. 67, Friedrichshain, täglich ab 20 Uhr

Reise-Lektüre

Auch wenn der Jahresurlaub bereits aufgebraucht ist, findet sich immer ein Grund, die Buchhandlung "Atlantis" aufzusuchen. Zur Not geht man eben mit dem Finger auf der Landkarte und in Gedanken auf Reisen oder kauft einen der Romane, die den Reiseländern in den Regalen zugeordnet sind. Atlantis ist ein Ort zur Bekämpfung von akutem Fernweh.

Das auf Karten und Reiseführer spezialisierte Geschäft hat Handbücher für fast jedes Land und jede Art von Urlaub vorrätig: von Luxus bis Rucksack. Wen es dann doch überhaupt nicht - sei es aus Lokalpatriotismus oder wegen mangelnden Geldes - in die Ferne zieht: Zum festen Sortiment gehören auch diverse Berliner Luftbilder, Umland- und Wanderkarten sowie Brandenburg-Bücher.

"Atlantis", Karl-Marx-Allee 98, Friedrichshain, Tel.: 294 79 00, Mo.-Fr. 10-19 Uhr, Sbd. 10-14 Uhr

Thai-Tofu

Kois sind die Zierkarpfen, die je nach Größe und Färbung ziemlich teuer werden können. Einen solchen Fisch im Gegenwert eines Porsches haben die Betreiber des Restaurants "Koy" nicht in ihrem großen Salzwasser-Aquarium. Aber der Name klingt eben gut. Es ist eines der gastronomischen Highlights nördlich der Frankfurter Allee. Auf der Karte des Restaurants mit nur neun Tischen finden sich die üblichen thailändischen Standards, allerdings auf hohem Niveau zu niedrigen Preisen (Hauptgericht zwischen knapp 5 und 15 Euro). Zu empfehlen: der Rotbarsch mit grünem Curry (zur Auswahl stehen bei den Gerichten fast immer Tofu, verschiedene Sorten Fleisch und Fisch).

Koy, Rigaer Straße 26, Friedrichshain, Tel.: 40 04 39 88, täglich 12 bis 24 Uhr

Theatersport

Im April 2004 gab es den ersten Spatenstich. Doch dann passierte erst mal nichts mehr. Es war ein symbolischer Akt. Denn bisher steht noch nicht einmal die Finanzierung, geschweige denn das geplante "Globe Theatre" nach altem Shakespeare-Vorbild. Ein Zirkuszelt ist bis dahin Platzhalter und Spielort für die "Shakespeare Company Berlin" an der Eastside Gallery. Idealisten sind, was Berlin braucht! Im Moment stehen die Klassiker "Hamlet!" und "Wie es euch gefällt!" in frischen Inszenierungen auf dem Spielplan. Aber auch aus einem anderen Grund lohnt sich der Besuch des gelb-rot gestreiften Zeltes: Immer wieder montags gibt es den Improvisations-Theater-Klassiker "Theatersport". Dann ist das Publikum Autor und Regisseur und bestimmt, was es sehen will. Die Zuschauer nennen einen beliebigen Titel wie zum Beispiel "Der Wolf mit der Glatze", und die Schauspieler improvisieren eine Operette, ein Theaterstück oder ein Science-Fiction-Splatter-Märchen zurecht.

Shake! Das Zelt am Ostbahnhof, Direkt Ostbahnhof Eastside Gallery, Friedrichshain, Tel.: 243 700 98

Bahnhofs-Stimmung

Bahnhöfe sind nicht nur Verkehrs-, sondern auch Gefühlsknotenpunkte, im Berufsverkehr wird dort die Großstadt am besten spürbar. Wer sich morgens mit wachen Augen ins Getümmel am Ostkreuz begibt, kann sich das Kino sparen, so viel gibt es zu sehen. Das Ostkreuz ist der am meisten frequentierte Nahverkehrs-Umsteigebahnhof in Berlin. 150 000 Fahrgäste steigen hier täglich zwischen acht Linien und vier Bahnsteigen hin und her. Als der Bahnhof 1882 eröffnet wurde, hieß er noch Stralau-Rummelsburg. 1933 wurde er in Ostkreuz umbenannt. Schon lange heißt er im Volksmund "Rostkreuz". Auch wenn es seit Anfang des 20. Jahrhunderts immer wieder Pläne zu Sanierung und Umbau des verwinkelten Bahnhofs gab, wurden sie bisher nie verwirklicht. Die Arbeiten an dem teilweise denkmalgeschützten Bau müssen bei laufendem Zugverkehr stattfinden. Das macht sie sehr kompliziert und teuer. Ende 2005 soll es nun aber endlich losgehen. Die gute Nachricht für alle Nostalgiker: Das verfallen-verwunschene "Rostkreuz" bleibt zumindest teilweise noch eine ganze Weile so wie es ist: Erst elf Jahre nach Baubeginn, im Jahr 2016, wird mit dem Ende der aufwendigen Sanierung gerechnet.