Tips von Morgenpost-Mitarbeiterin Christiane Meixner

Foto: Dirk von Nayhauß

Zum Franzosen

Morgens führt mein erster Weg zum "Franzosen". Er heißt Christophe Solarczyk, ist erst vor wenigen Monaten in die Cranachstraße gezogen - und hat dort eine alte Bäckerei mit imponierendem Ehrgeiz wiedererweckt. Das Mehl für die hellen Baguettes und knusprigen Croissants kommt ebenso aus Frankreich wie das leicht süße Maronenmehl für sein Kastanienbrot. Ansonsten sind Brot und Brötchen oft aus vollem Korn und beruhigend ungleich, was ihre Form anbelangt. Denn hier kommt nichts vom Fließband, Solarczyk ist ein echter Handwerker. Fertigmischungen kommen ihm nicht in die Backstube. Und er probiert Neues aus: Passend zum Herbst gab es unlängst Käsekuchen mit Kürbisfüllung. Ungewohnt, aber lecker!

"Der Franzose", Cranachstraße 60, Friedenau, Tel.: 855 51 95. Mo.-Fr. 6-18.30 Uhr, Sbd. 6-15 Uhr, So. 8-11 Uhr

in die Hirschhöfe

In Friedenau mag man schön wohnen, Schönes zum Anziehen findet man am anderen Ende der Stadt. Nun ja: Nicht alles, was die inzwischen zahllosen Läden auf der Kastanienallee in Prenzlauer Berg anbieten, ist vorbehaltlos tragbar. Spannend aber sind die schrägen Röcke und selbstbedruckten T-Shirts, Plastikshopper und anderen bunten Entwürfe allemal. Wer wie ich mit zwei Kindern - ein Baby und ein kleiner Rabauke - unterwegs ist, der kann später kinderfreundlich in einem winzigen Park inklusive Spielplatz pausieren, der sich in den (noch) unsanierten Hirschhöfen versteckt - auch wenn der Durchgang privat und die Stahltür am Ende verschlossen wirkt. Auf dem Weg dorthin liegt in einer Erdgeschoßwohnung die Galerie "Kurt im Hirsch", die nicht nur einen erwähnenswerten Namen, sondern auch ein sehenswertes Programm hat. Momentan stellt dort Nele Probst ihre großen Gemälde aus, die ein bißchen an ihr Vorbild Jim Avignon erinnern.

Galerie "Kurt im Hirsch", Kastanienallee 12, Prenzlauer Berg, Tel.: 44 05 16 94, www.kurt-im-hirsch.de ., Fr. 18-21, Sbd./So. 16-20 Uhr

Cut and Go

Nun schläft das Baby! Ein idealer Zeitpunkt, um endlich wieder an eine Frisur zu kommen. Doch welcher Friseur nimmt einen nun auf die Schnelle und ohne Termin? Aycan Isigan hat vor wenigen Wochen an der Invalidenstraße einen "Cut Stop"-Shop eröffnet. Für 12 Euro kann man hier jederzeit einfliegen und sich nach kurzer Absprache verschönern lassen. Einfliegen ist übrigens das passende Wort, denn die Chefin, die einen zweiten, regulären Laden in Charlottenburg besitzt, hat sich für ihren "Fast Cut"-Salon etwas Besonderes einfallen und ihn von einer Architektin im London-Style einrichten lassen. Das Rot der Doppeldecker oder legendären Telefonzellen erstrahlt als dominante Farbe, der Rest ist urbanes Grau. Mit 12 Euro liegt der Laden zwar etwas über dem Durchschnitt anderer "Cut and Go"-Friseure. Doch dafür nehmen sich die Mitarbeiterinnen erstens mehr Zeit und zweitens renommierte "Redken"-Produkte. Wer warten muß, vertreibt sich die Zeit bei Kaffee und Sandwichs, die auf Wunsch zubereitet werden.

"Cut Stop", Invalidenstraße 148, Mitte. Tel.: 24 04 83 66, www.cut-stop-berlin.de ., Mo.-Fr. 10-20, Sbd. 10-16 Uhr

In die Bücherei

Auf der Flucht vor dem Regen habe ich jüngst die Vorteile einer Bibliothek wiederentdeckt. In der Stadtbücherei Schöneberg gibt es Hörkassetten, Videos und jede Menge Bücher, mit der man Sechsjährige derart fesseln kann, daß sie darüber das versprochene Spielplatzabenteuer vergessen. Nur gut, daß wir auch den Kinderwagen dabei hatten, denn tragen können hätte ich die wilde Mischung aus Comics und Schreibschriftbüchern, TKKG-Hörspielen und Knetfigur-Filmen am Ende nicht mehr. Verlängern kann man seine Ausleihe inzwischen bequem per Internet, und wenn man sein Kind gleich mit anmeldet - dazu genügt die Karte der Krankenkasse - bezahlt man mit fünf Euro sogar nur die Hälfte der jährlichen Gebühr.

Theodor-Heuss-Bibliothek, Hauptstraße 40, Schöneberg, Tel.: 75 60 54 74, www.voebb.de ., Mo.-Fr. 12-20 Uhr, Sbd. 10-14 Uhr

Unter Promis

Der Witwe von Helmut Newton erschien er nicht passend: Sie hat ihren Mann nahe Marlene Dietrich auf dem Friedhof an der Friedenauer Stubenrauchstraße begraben lassen. Dabei wäre er auch auf dem romantischen Friedhof Heerstraße, der kurz nach Newtons Tod im Januar ebenfalls zur Debatte stand, in prominenter Gesellschaft gewesen. Hier ruhen George Grosz, Joachim Ringelnatz, Horst Buchholz und Georg Kolbe, der für sich und seine Familie einen Grabstein aus großen Mamorplatten und feinen Säulen entwarf: Die mittlere erinnert mit ihren Engelsköpfchen an die früh verstorbene Frau des Bildhauers. Der Friedhof ist ein Werk der 20er Jahre, teils streng wie ein Park gestaltet und rund um den Sausuhlensee, seinem Zentrum, etwas wilder. Eine Liste, die man bei der Friedhofsverwaltung kaufen kann, zählt die Namen der hier ruhenden Schauspieler, Künstler und Schriftsteller auf. Vom Friedhof ist es nur ein Katzensprung zum Georg-Kolbe-Museum und dem benachbarten Café, wo man seinen Herbstspaziergang bei heißem Kaffee oder Kakao beschließen kann.

Friedhof Heerstraße, Trakehner Allee 1, Charlottenburg.

"Café K", Sensburger Allee 26, Charlottenburg, Tel.: 30 81 22 75, www.cafe-k.com . Di.-So. 10-20 Uhr