Geistheiler als Sextäter

Geistheiler ziehen mit ihren Angeboten immer noch viele Menschen in ihren Bann. Fasziniert zeigten sich auch Karin Fibranz und Maraike Posegga aus Schmargendorf.

Geistheiler ziehen mit ihren Angeboten immer noch viele Menschen in ihren Bann. Fasziniert zeigten sich auch Karin Fibranz und Maraike Posegga aus Schmargendorf. Sie meldeten sich im September vergangenen Jahres zu den 4. Europäischen Geistheilungstagen mit dem als Geistheiler weltberühmten Brasilianer Joao de Deus an. Veranstalter war Earth Oasis, ein Kölner Reiseunternehmen für ganzheitliches Reisen und Seminare. Veranstaltungsort war das brandenburgische Paaren. Der Teilnehmerpreis betrug 180 Euro pro Person.

Drei Tage vor Beginn der internationalen Tagung versendete Earth Oasis an die mehreren Tausend Teilnehmer des Treffens ein Rundschreiben mit der Absage: Der weltberühmte Geistheiler hatte sich kurz zuvor als Triebtäter entpuppt. Er habe in seinem Ruheraum im brasilianischen Abadiane mehrfach sexuelle Übergriffe auf Frauen gestartet. Deshalb sei "das Medium Joao dringend aufgefordert worden, vom Besuch der Geistheilungstage in Berlin, Alsfeld und Ulm Abstand zu nehmen", stand in dem Schreiben. Selbstverständlich habe jeder, der von dem Seminar zurücktreten wolle, ein Anrecht auf volle Erstattung schon bezahlten Eintrittsgeldes. Die beiden Berlinerinnen stornierten daraufhin ihre Teilnahme und forderten ihr Geld zurück. Das war am 2. September 2006. Monat für Monat verging, ohne dass Earth Oasis reagierte. Im Februar dieses Jahres wendete sich Karin Fibranz an den Leseranwalt der Berliner Morgenpost. Der Kampf um die Rückzahlung zog sich über Monate hin. Immer wieder vertröstete Geschäftsführer Viktor Rollhausen und versprach die Überweisung.

Um den Klageweg zu vermeiden, startete am 31. Mai der Leseranwalt noch einmal einen letzten Versuch, um den Damen doch noch zu ihrem Geld zu verhelfen. Und tatsächlich: Rollhausen verbürgte sich dafür, die Überweisung noch am selben Tag zu veranlassen. Dies hatte er zwar schon mehrfach versprochen, diesmal aber hielt er Wort: Nach neun Monaten erhielt Karin Fibranz das Geld zurück.

Ganz so lange dauerte es im Fall der Familie Schneidewind nicht mit der Rückzahlung. Gabriele und Reinhard Schneidewind hatten im Januar 2007 für ihren Sohn bei der Firma Ziami in der Lietzenburger Straße einen Anzug anmessen lassen und 99 Euro angezahlt. Nach drei Monaten erste Anfrage zur Anprobe. "Es gibt Schwierigkeiten bei der Produktion in China", wurde mitgeteilt. Nach vier Monaten dieselbe Antwort. Als auch nach fünf Monaten kein Anzug in Sicht war, zogen die Schneidewinds ihren Auftrag zurück. Da offenbar die Geschäftsführerin nicht zu sprechen war, schaltete sich der Leseranwalt ein. "Kein Problem, das Geld wird überwiesen", lautete die Antwort am 12. Juni. Einen Tag später war das Geld auf dem Konto.