Der Mann mit dem Hammer

Vorn schürt der Meister das Schmiedefeuer. Hinten sind die fertigen Stahlarbeiten ausgestellt. Und diese sind bei weitem handlicher als das, was wohl viele Berliner vom Metallbildhauer Achim Kühn kennen: das dreiteilige Flügelportal der Marienkirche in Mitte, die wandförmige Skulptur «Schwingender Stahl» an der Wilmersdorfer Bundesallee und die klingende Riesenblüte im Treptower Park. Etwa 30 Werke aus seiner Werkstatt sind in der Stadt zu sehen. Darunter befinden sich auch nach historischem Vorbild gearbeitete Giebelfiguren auf dem Konzerthaus, Deutschen und Französischen Dom.

Aber wenn der 60-Jährige zum Hammer greift, geht es auch einige Nummern kleiner. Dabei bleibt das Werk immer ein echter «AK» - wie er seine Werke signiert. Achim Kühn hat in Weimar Architektur studiert und ist beim Doyen der modernen Stahlbildhauerei, seinem Vater Fritz Kühn, in die Lehre gegangen. Was unter seinen Händen entsteht, das genügt zuerst funktionalen Ansprüchen. Das gilt genauso für seinen auf mannshohen Ständern schwingenden Stahlkranich-Zug (Stück ab 615 Euro) wie auch für die Standfestigkeit seiner Kerzenständer und Vasen. Zum anderen sind seine Arbeiten auch Kunst.

Der Betrachter folgt bei ihrem Anblick den Gedanken und Arbeitsgängen des Schmieds, der sich gerne offenbart: «In Stahl steckt so vieles drin. Das hat kein anderes Material. Es ist hart, und ich bringe es in Formen, die man gern anfasst. Dabei will ich, dass man noch im fertigen Werk den Entstehungsprozess spürt.»

Daher nimmt man gerne seine halbmondförmigen, handtellergroßen Kerzenständer (25 EUR) in die Hand. Die dezenten Hammerspuren geben ihnen etwas Weiches und Leichtes. Garantiert standfest sind auch die kleinen bootsförmigen Kerzenhalter (41 EUR), in denen die Kerze durch zwei polierte Stahlstreifen am Umkippen gehindert wird.

Auf Wunsch variiert Achim Kühn auch die Größen, was insbesondere bei seinen schlichten, kubistischen Vasen (ab 153 EUR) praktisch ist.

Mit einem T-förmigen Mobile, auf dessen einem Ende eine farbige Krawatte tanzt, freunden sich garantiert auch Krawattenmuffel an. Die Grundidee für das ruhig schwingende Erwachsenen-Spielzeug entstammt einer großen Skulptur des Künstlers. Welcher Mini-Binder allerdings ran kommt, kann der Kunde bestimmen.

Die gleiche Konstruktion mit einem kleinen Wunsch-Stuhl oben drauf ist ein originelles Geschenk zum Betriebszugehörigkeits-Jubiläum. Dieses «Chairroussel» (195 EUR) erinnert immer daran, dass auch Stühle wackeln können. Hintersinnig ist auch Achim Kühns Stahlbibliothek mit einem Notenbuch, auf dem man Musik machen kann oder einem Sparbuch (1080 EUR), aus dem das hineingesteckte Geld gleich wieder verschwindet. Matthias Busse

Kunstschmiede Achim Kühn, Richterstraße 6, Altglienicke. Mo. - Do. 8 bis 16, Fr. 8 bis 13 Uhr. Um Anmeldung wird gebeten. Tel.: 676 42 61.