Haben Sie Lust auf Kunst?

Frank Zappa sagte einmal: "Kunst ist, aus Nichts etwas zu machen und es zu verkaufen.

Frank Zappa sagte einmal: "Kunst ist, aus Nichts etwas zu machen und es zu verkaufen." Eine sarkastische, flapsige Aussage, typisch für den inzwischen verstorbenen US-Musiker mit dem charakteristischen kräftigen Schnauzbart. Dass allein der Verkauf des Geschaffenen mitunter eine Kunst für sich ist, gilt auch heute.

Denn der Kunstmarkt ist eigen. Gerade in Berlin ist die Konkurrenz riesig: Rund 400 Galerien für zeitgenössische Kunst und klassische Moderne sind hier ansässig. Gerade in den vergangenen Jahren zogen Galeristen aus dem In- und Ausland her und bildeten neue Galerie-Quartiere wie das am Checkpoint Charlie und an der Brunnenstraße in Mitte.

6000 Bildende Künstler in Berlin

Jede Galerie vertritt im Schnitt zehn Künstler, manche deutlich mehr. Insgesamt, so eine Schätzung des Landesverbandes Berliner Galerien, dürften sich in der Hauptstadt mehr als 6000 Künstler aufhalten, die in Galerien und Projekträumen ausstellen. Das Repertoire reicht von simpel bis aufwendig, von preiswert bis teuer. "Berlin ist zurzeit das Mekka der Bildenden Kunst", sagt Anemone Vostell vom Landesverband Berliner Galerien. "Hier zu arbeiten ist für die Vita eines Künstlers mit internationalem Renommee ähnlich wichtig, wie es Ende des 20. Jahrhunderts New York war." Auch Professor Klaus Siebenhaar vom Institut für Kultur- und Medienmanagement der FU sagt: "Berlin ist nicht nur größter Galerienstandort, sondern auch größter Produktionsort für zeitgenössische Kunst in Europa."

2004 veröffentlichte Siebenhaar eine Studie die zeigte, dass ein Großteil der Berliner Galeristen unterhalb der Armutsgrenze lebte, der Handel mit Kunst eher ideologisch von Leidenschaft getrieben war, als von Geschäftssinn. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Siebenhaar schätzt den Jahresumsatz des Berliner Kunstmarktes heute auf etwa 200 Millionen Euro.

Berlin verändert sich laufend, davon profitieren auch Galeristen. "Bedeutende Künstler kommen hierher, weil Berlin eine spannende, unfertige Stadt ist", sagt Rudolf Kicken, seit mehr als 30 Jahren Galerist einer der führenden Galerien im Bereich der künstlerischen Fotografie. Sammler aus aller Welt liebten Berlin als Kunststadt, in letzter Zeit habe er immer mehr Kunden aus Osteuropa. "Niemand braucht Kunst", sagt Kicken. "Aber wer erst einmal angefangen hat, kann oft nicht mehr aufhören zu sammeln." Auch für Anleger sei Kunst interessant. Eine Million Euro brachte das teuerste Foto, das die Galeristen Rudolf und Annette Kicken bisher verkauften: "Die Gabel" des Ungarn André Kertész.

Das teuerste Werk, das im renommierten Berliner Auktionshaus "Villa Grisebach" je versteigert wurde, war ein Ölbild von Max Beckmann: Für 3 911 500 Euro wechselte "Anni (Mädchen mit Fächer)" im Juni 2005 den Besitzer. Ende Mai finden die nächsten Auktionen statt, vorher gibt es in mehreren deutschen Städten Vorbesichtigungen. "Zu diesen Terminen kommen viele Kunstinteressierte, die zum Teil auch nur gucken", sagt Micaela Kapitzky aus der Geschäftsführung. "Vorbesichtigungen sind eine Gelegenheit, bestimmte Kunstwerke einmal zu sehen, da sie dann wieder in privaten Sammlungen verschwinden." Neben den meist sehr hochpreisigen Auktionen gibt es bei Villa Grisebach auch die sogenannten "Third Floor"-Termine, an denen Werke mit einem Schätzwert bis zu 3000 Euro versteigert werden. "Kunstauktionen sind nicht nur für reiche Leute", sagt Kapitzky.

Fotografie ist oft große Kunst

Am 29. Mai kommen bei ihr Stücke der klassischen und zeitgenössischen Fotografie unter den Hammer. "Fotografie hat inzwischen einen neuen Stellenwert, sie gilt nicht mehr nur als reproduzierendes Medium, sondern ist oft große Kunst."

Und sie hat es offenbar geschafft, auch preislich ganz oben mitzuspielen. Dabei galten gerade Fotografien lange als preiswertere Alternative. So gründeten die Eheleute Stefanie Harig und Marc Alexander Ullrich 2003 die Galerie Lumas mit dem Ziel, einen "neuen Raum für Kunst" zu schaffen. "Wir hatten festgestellt, dass auf dem Kunstmarkt eine Lücke klaffte - zwischen den Galerien mit Unikaten, die sich nur wenige leisten konnten, und den Posterläden und Museumsshops auf der anderen Seite, die billige Kunstdrucke und Reproduktionen verkauften", sagt Stefanie Harig. Um die Lücke zu schließen und Kunst im Original für jedermann erschwinglich zu machen, bietet Lumas in mittlerweile zwölf Galerien weltweit künstlerische Fotografien und digitale Kunst in limitierten Auflagen an. Die Preise liegen in der Regel zwischen 120 und 600 Euro. 120 Künstler vertritt Lumas, rund 180 000 Besucher finden jährlich den Weg in eine der Galerien in Berlin, Paris, New York oder anderswo. 107 Mitarbeiter und rund 36 000 Kunden zählt das Unternehmen inzwischen. "Der New Collector, also der kunstbegeisterte Erstkäufer, ist ein weltweites Thema", meint Stefanie Harig. Fotografie als preiswerter Einstieg in den Kunstmarkt sei gerade für diese Käuferschicht attraktiv.

Auf preisgünstige Originale hat sich Jürgen Schaar spezialisiert. Unter dem Motto "Kunst muss nicht teuer sein" hat er inzwischen seine zweite Galerie "Atelier-Outlet" eröffnet. "Wir wollen junge talentierte Künstler fördern und unterstützen", sagt Jürgen Schaar. Deshalb nehme er grundsätzlich keine Kunstwerke auf Kommission, sondern bezahle sie den rund 30 Künstlern, mit denen er zusammenarbeitet, sofort.

Forum für unbekannte Künstler

In seinen Schauräumen an der Knesebeckstraße und an der Friedrichstraße bietet Schaar vor allem Öl- und Acrylgemälde in mittlerem und großem Format an. Der höchste Preis liegt bei 650 Euro, 180 Euro kostet zurzeit das günstigste Bild.

Unbekannten Künstlern ein Forum zu bieten, und diese mit unerfahrenen Käufern zusammenzubringen, war auch das Anliegen von Constantin Ungureanu. Der Betreiber des Kieznetz-Onlineportals, das Tipps und Infos zu Kreuzberg bietet, rief im April vergangenen Jahres das Kunstportal-030 ins Leben. Anfangs zeigte er dort vor allem die Werke befreundeter Kreuzberger Künstler, inzwischen kommen monatlich neue Maler hinzu, die auf der Internetseite ihre Kunst zeigen und nutzerfreundlich mit Kontaktdaten, Biografie und aktuellen Ausstellungshinweisen vertreten sind. Die meisten Künstler geben online allerdings keine Verkaufspreise an.

Echte Schnäppchenjäger oder Kunstinteressierte mit kleinem Budget suchen ihr Glück auf einem der Berliner Kunst- und Trödelmärkte. Auf dem Kunst- und Nostalgiemarkt an der Museumsinsel etwa gibt es echte Originale oft schon für 50 Euro - inklusive einem netten Gespräch mit einem der Künstler.