Stilfrage

Mode mal mörderisch

Cordula Schmitz über modische Gründe und Sünde

In Australien ist eine 35-jährige Frau ins Krankenhaus gekommen, weil ihre Skinny-Jeans ihr beim In-die-Hocke-Gehen die Nerven eingeklemmt hatten. Vier Tage ist die Frau in der Klinik geblieben. Leider stand nirgendwo, wie sie in die Jeans reingekommen war. Sie muss ja wirklich sehr eng gewesen sein. Ob sie wohl eine Kanone hat, mit der sie sich jeden Tag da hineinschießen lässt? So wie im Zirkus der Kanonenmann? Die wichtigsten Dinge stehen natürlich nie in solchen Geschichten. Dabei machen Frauen die komischsten Dinge, um in ihre Kleidungstücke zu passen. Das sei jetzt mal verraten. Dass man sich auf den Boden oder auf das Bett legt, um diesen vermaledeiten oberen Knopf zuzubekommen, gehört zu den weniger schönen Erfahrungen im weiblichen Lebenslauf. Im Anschluss werden dann gerne die aberwitzigsten Verrenkungen durchgeführt, um das Kleidungsstück an die Körperform anzupassen und wenigstens ein bisschen zu weiten.

Ich selbst bevorzuge es, in meiner Kleiderkammer den sogenannten Usain-Bolt-Move durchzuführen. Das hört sich jetzt besser an, als es ist. In Wirklichkeit versuche ich, den Sprinter beim Start zu imitieren. Sieht dämlich aus, weitet aber die Hose exzellent. Eine Art Klamottenyoga. Das sollte wirklich mal jemand professionell anbieten. Sollen sich die Weiber doch einfach weitere Sachen kaufen, könnte man jetzt sagen. Aber ganz so einfach ist das nicht. Eine Jeans, die frisch gewaschen aus der Waschmaschine kommt, ist aus stofflichen Gründen einer Schrumpfkur unterzogen worden, eine ganz gemeine Sache. Bis mittags im Bürostuhl hat sich das zwar wieder erledigt, aber vorher sind da einige Nervenschäden zu verzeichnen, da bin ich sicher. Skinny-Jeans sind aber nicht das Einzige, was bleibende Schäden hinterlassen kann. Mode ist mörderisch. Es heißt ja nicht umsonst „Fashion Victim“, also Modeopfer. Stars sind sich da nicht zu schade, als Versuchskaninchen herzuhalten. Ich erinnere nur an Cape-Gate, den Konzertauftritt von Madonna in einem blutroten Cape, entworfen von Armani. Fast wäre sie durch das Cape stranguliert worden, umgekippt und hätte sich womöglich noch den Hals gebrochen. Jetzt stellen Sie sich dieses Kleidungsstück mal im Alltag vor. An einer Köchin am Gasherd. Keine gute Idee.